Juli 8, 2020

Einen ausbalancierten, stabilen und effektiven Reitersitz wünscht sich ohne Zweifel jeder Reiter. Und das mit guten Grund.

Der korrekte Reitersitz ist die Basis für das gesamte Reiten. Ohne ihn ist eine exakte Hilfengebung nicht möglich.

Reitersitz

Schülerin Jenny lernt das schmale Sitzen um den Rücken von Daisy zu entlasten.

So soll es sein - so kann es bleiben - so hab ich es mir gewünscht!

Eine der Hauptaufgaben eines guten Reiters ist es, die Kräfte aufzufangen, die die Bewegung des Pferdes auf seinen Körper ausüben. 

Fortgeschrittene Reiter scheinen ganz still zu sitzen und nichts zu tun. Doch der Schein trügt. Die meisten Zuschauer halten einen Reiter mit so ruhigen Sitz für entspannt. Doch in Wirklichkeit braucht er eine gewisse Muskelanspannung, um sich auf dem Pferd zu stabilisieren. 

Um Druck nach unten auszuüben, ist der Einsatz der Bauchmuskeln erforderlich. So stabilisiert sich der fortgeschrittene Reiter. 

Verena Jennewein

Das Körperbewusstsein schulen

Wenn jemand sagt, du brauchst Kraft zum Reiten, ist also nicht gemeint, dass du mit Kraft gegen das Pferd arbeiten sollst. Du brauchst Kraft um dich zu stabilisieren, um es dir und deinem Pferd angenehmer zu machen. Für gesunde Rücken 😉 

Das unbewusste Problem - fehlende Bauchmuskulatur!

Beim Reiten, nutzen nur sehr, sehr, sehr wenige Menschen aktiv ihre Bauchmuskulatur um sich zu stabilisieren. 

Gute Reiter, machen dies so leicht und natürlich, dass sie selbst sich dessen nicht bewusst sind. 

Oft wird von einem tiefen Sitz oder vom - sich Schwermachen - gesprochen. Wie das funktioniert oder was dabei geschieht, wird nicht erklärt.

Reiter, die sich im Sattel groß machen wollen, ziehen meist den Bauch ein und machen ein Hohlkreuz. Sie atmen nur in den Oberkörper hinein. In Schrecksekunden ziehen sie sich noch mehr hoch und halten die Luft an. Ihr Kraftzentrum ist der Schultergürtel. Alle Probleme mit dem Pferd versuchen sie mit Händen und Armen zu lösen. Sogar wenn das Pferd vorwärts geht, wirken Bauch und Hände rückwärts ein. So sind Konflikte vorprogrammiert. 

Reitersitz

Rennsemmel Daisy drückt den Rücken weg und lässt ihre Reiterin nur schwer sitzen.

Sehr schlaffe Reiter neigen nicht dazu ihren Bauch einzuziehen, aber sie üben auch keinen Druck nach unten aus. Ihre Einwirkung auf das Pferd ist verschwindend gering. Solche Reiter führen ihre Pferde nicht, sondern lassen sich bequem mitnehmen. 

Wieder andere üben nur Druck nach unten aus, wenn sie eine Reiterhilfe geben. Ihnen ist nicht bewusst, dass es sich bei diesem Druck nach unten um einen Dauerzustand handelt, den sie nur noch mehr verstärken müssen, wenn sie aktiver einwirken wollen. 

Es gibt also nur zwei Möglichkeiten sich auf einem Pferd zu halten.

Der Reiter kann sich im Sattel halten, indem er mit der Hand nach hinten, in Richtung Oberkörper geht und sich am Zügel festhält. 

Die zweite Möglichkeit die ein Reiter hat, sich auf dem Pferd zu halten ist, indem er eine Kraft in sich selbst kreiert, die von Hinten nach vorn wirkt. Das wird dann als unabhängiger Sitz mit weicher Hand bezeichnet. Ein begabter Reiter. 

Sobald der Reiter also in der Lage ist, die Kräfte des Pferdes, die auf seinen Körper wirken aufzufangen, indem er seine Bauchmuskulatur benutzt um sich zu stabilisieren, kann man von einem begabten Reiter sprechen.  

5 Tipps für einen sicheren, stabilen und unabhängigen Reitersitz 

Du kannst lernen, völlig automatisch deine Bauchmuskulatur als Stabilisator beim Reiten anzuwenden. Mit diesen 5 Tipps lernst du genau das zu verinnerlichen. 

#1 - Räuspern, Kichern und Husten verbessern deinen Reitersitz! 

Räuspere dich und du wirst sehen, welche Bauchmuskeln du auf dem Pferd für mehr Stabilität brauchst. Denselben Muskel benutzt du, wenn du husten musst, dir die Nase putzt oder kicherst. 

Bauchmuskulatur

Ein kräftiges Räuspern hilft!

Sobald du auf deinem Pferd sitzt, vergewissere dich, dass deine
>> Sitzbeinhöcker << nach unten zeigen und Schambein, Bauchnabel- und Schlüsselbein in einer Linie liegen - die aufrechte Mittelpositur. 

Solltest du zum Hohlkreuz neigen, achte darauf dich nicht groß machen zu wollen. 

Räuspere dich und halte die Muskeln unter Spannung. Genau jetzt, übst du erfolgreich Druck nach unten aus. 

#2 - Verwechslungsgefahr 

Achtung! Verwechsle nicht das Gefühl von Druck nach unten ausüben mit Bauch heraus strecken. Vielleicht hilft dir die Vorstellung, dass deine Bauchmuskeln eine stabile Mauer bilden, und dann die Innereien gegen diese Mauer zu drücken. 

#3 - Verschiedene Laute können dir helfen deinen Reitersitz zu stabilisieren!

Das Räuspern ist auf jeden Fall ein guter Anfang. Um den Druck noch tiefer zu bekommen, um ihn zu verstärken, hilft dir ein - psst, psst - und zwar mit so viel Kraft, als ob du einen verstopften Strohhalm freiblasen möchtest. Den Druck unterhalb des Brustbeins kannst du durch ein - schsch, schsch - verstärken. Mit - grrr - verstärkst du einfach alles! 

Onlinekurs Reitersitz

Ein kräftiges sch sch bitte!

Achte darauf ob du den Druck nach unten in der Bewegung halten kannst oder nicht. Sobald du merkst, dass du in Versuchung kommst, den Bauch einzuziehen, hast du den Druck nach unten verloren. Überprüfe dich immer und immer wieder! Bald ist es wie beim Autofahren - automatisiert. 

#4 - Übung ohne Pferd 

Hole dir einen harten Stuhl und nimm Platz. Achte darauf, dass deine Sitzbeinhöcker nach unten zeigen. Lege deine Hand flach auf den Bauch. Die andere Hand solltest du so halten, dass Daumen und Zeigefinger knapp oberhalb der Gürtellinie in der Nähe der Wirbelsäule liegen, die Fingerspitzen auf dem langen Rückenmuskel. 

Räuspere dich und aktiviere den Druck nach unten. Du wirst spüren, wie sich die Muskeln gegen deine Fingerspitzen pressen. Auch dein Pferd sollte Druck nach unten ausüben, um dich schadlos zu tragen. Genau wie bei dir, sollte sein Bauch angespannt sein und die langen Rückenmuskeln anschwellen.

Ein Pferd, das den Rücken hohl macht und den Bauch hängen lässt, kann dich nicht schadlos tragen. Der Druck nach unten, macht die Bauchmuskeln kürzer, hebt den Bauch an und hilft ihm so dabei, den Rücken aufzuwölben. 

Es gibt also parallelen. Du musst deinem Pferd die Haltung vormachen, erst dann kannst du sie von deinem Pferd erwarten. 

#5 - Langfristig denken

Je mehr du deine Muskeln die du für den Druck nach unten brauchst, kräftigst und das Ganze verinnerlichst, desto stärker wird deine Grundeinwirkung nach unten. 

Du brauchst nur noch weiter zu verstärken, wenn du aktiver einwirken möchtest. Verringern brauchst du den Druck nie, das passiert von ganz allein. 

Yoga für Reiter


Es kann Monate dauern, bis du genügend Muskelkraft aufgebaut hast, um die Kräfte, die von der Bewegung des Pferdes ausgehen, auszugleichen. 

Halte dein neu erlerntes Programm durch und achte darauf, dass dein Hals, dein Unterkiefer und dein Schultergürtel aus dem Spiel bleiben, wenn du die Muskeln für den Druck nach unten aktivierst. 

Mit Hilfe von Yoga kannst du deine Muskulatur viel schneller aufbauen und gelangst sehr viel schneller an dein Ziel ein hervorragender Reiter zu werden. 

Übertreibe es nicht mit dem Druck nach unten. Besonders bei einem jungen Pferd, kann das schnell zu einer Blockade führen. Du musst den Druck nach unten nur verstärken, wenn du dein Pferd mit mehr Versammlung reiten möchtest. Ein junges Pferd ist dafür noch nicht bereit. Vergiss das bitte nicht. 

Mehr Tipps und Tricks um ein noch besserer Reiter zu werden, findest du auf der nächsten Seite! 

Die Mary Wanless Methode hilft dir deinen Reitersitz effektiv zu verbessern. Mit dieser Methode kannst du zum Beispiel deinem Pferd vermitteln, über den Rücken zu gehen. 

Es ist kein neuer Reitstil, sondern eine sehr gute und vor allem nachvollziehbare Sitzschulung für Anfänger und Fortgeschrittene. 

About the author 

Julia Reyam

Calm Horse Academy ist ein Herzensprojekt. Es geht hier nicht um schneller, höher oder weiter. Die Entschleunigung in der Ausbildung und das Verstehen des großen Ganzen liegt uns sehr am Herzen. Der Schwerpunkt unserer Akademie liegt nicht beim Reiten allein. Reitkunst ist viel mehr als das, es geht um Balance, Leichtigkeit, Takt und Gefühl...

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