Folge #008 – Locker sitzen im Pferdesattel - Calm Horse Academy

Folge #008 – Locker sitzen im Pferdesattel

Ein Artikel von Verena Jennewein – Autor der Calm Horse Academy und Pferdeexpertin

Hier kannst du die Folge direkt anhören oder herunterladen


Herzlich willkommen zur achten Folge meines Podcasts „Reiten in Vollendung - deinem Pferd zuliebe“. Ich bin Verena Jennewein, zertifizierte „Ride With Your Mind Trainerin“, Level 1, Master Class.

Heute geht es um das Thema: Locker sitzen im Pferdesattel  

Was bedeutet locker sitzen?

Oberst Waldemar Seunig

“Von der Koppel bis zur Kapriole”


“Der weich sitzende Reiter ist durch das Auge kaum wahrnehmbare, einen ganz geringen Ausschlag gebende Schwingungen seiner Wirbelsäule imstande, die Bewegungen des Pferdes auszusitzen, d.h. im Sattel zu kleben” 

Sprich, man sieht dem Reiter die Anstrengung nicht an. Der Reiter sitzt im Balancesitz, mit einer guten Körperspannung  am Pferd und kann optisch mühelos den Bewegungen des Pferdes folgen. Für den Betrachter wirkt der Reiter deshalb “locker”.

Solch ein Sitz sollte für jeden Reiter das Ziel sein, denn nur wenn wir selbst unseren Körper optimal organisieren können, sind unsere Pferde imstande, brillieren zu können.

Uns ist bewusst, dass man nicht von heute auf morgen ein Marathonläufer, Leichtathlet, Rennfahrer, Jogatrainer uvm. werden kann. Für all diese Sportarten braucht man Zeit! Der menschliche Körper ist imstande, vieles zu leisten, aber nur durch richtiges und bedachtes Training. Sei nicht frustriert, wenn heute etwas noch nicht so funktioniert, wie du es gerne hättest, vielleicht geht es morgen schon besser! Durch Training wird unser Sitz immer besser und dadurch fühlt sich das Reiten immer leichter an. Gib dir und deinem Pferd die Zeit, die es braucht, um stetig besser werden zu können. 

Konfuzius 


“Der Weg ist das Ziel” 

Reitersitz

Faktoren, die einen “lockeren Sitz” beeinflussen?

Ich habe bereits über dieses Thema geschrieben und gehe deshalb nicht genauer auf dieses Thema ein. Trotzdem möchte ich ein paar Dinge wiederholen.

Das Pferd: Wie schon einmal erwähnt, haben unsere Pferde einen großen Einfluss auf unseren Sitz. Nehmen wir zB. ein junges Pferd. Jungen Pferden fehlt meistens die richtige Muskulatur, die Balance und sehr häufig auch der Takt. Bin ich jetzt kein erfahrener Reiter mit einem gut geschulten Reitersitz, werden mich diese Faktoren bestimmt meinen noch nicht gefestigten “lockeren Sitz” kosten. Genauso wirken steife Pferde, Pferde, die ihren Rücken durchdrücken, sehr schiefe Pferde oder “schwammige, instabile Pferde” auf meinen Sitz.

Ride With Your Mind Methode

Der Sattel: Ein Reiter, der mit einem zu kleinen oder zu großen Sattel reitet, wird Probleme haben, “locker zu sitzen”. Die falsche Größe eines Sattels kann unheimlich viele Sitzfehler auslösen. Ein Dressursattel, der nicht meinem Exterieur entspricht, kann nicht nur zu Sitzfehlern führen, sondern auch zu Verspannungen, Unbehagen und sogar Schmerzen. Von einem “lockeren Sitz” ist man dadurch leider weit entfernt. 

Die Steigbügellänge: Ein zu kurzer oder zu langer Steigbügel verhindert einen lockeren Sitz.

Angst beim Reiten: Viele Reiter haben aus verschiedensten Gründen Angst beim Reiten. Diese Angst blockiert nicht nur unseren Geist, sondern auch unseren Körper. Bei Angst verspannt sich unser Körper, unsere Atmung wird schneller oder wir halten den Atem an. Durch diese falsche Atmung (Brustkorbatmung) werden die Schultern hochgezogen, der Reiter macht sich unbewusst lang und wird instabil in seiner Körpermitte. Gleichzeitig werden die Arme näher an dem Körper gehalten und ziehen dadurch unbewusst an den Zügeln

Die Anatomie des Reiters: Auch die Anatomie spielt eine wichtige Rolle. Jeder kann einen fantastischen Reitersitz erlernen. Reiter mit einer ausgeglichenen Statur haben es leichter, ihren Körper zu organisieren. Reiter mit einem langen Oberkörper oder sehr langen Beinen fällt es in der Regel deutlich schwerer, diese Körperteile zu organisieren. 

Fehlende Körperspannung

Locker am Pferd sitzen darf nie mit einer fehlenden Körperspannung verwechselt werden!!

Häufig wird aber genau das mit einem lockeren Sitz assoziiert. Ein Reiter, welcher nicht gelernt hat, was ein stabiler und in der Bewegung des Pferdes mitgehender Reitersitz ist, verbindet ein “sitz locker” mit fehlender Körperspannung. Diese Reiter werden dann instabil in ihrer Körpermitte und schauen häufig aus, als würden sie einen Bauchtanz am Pferd vollführen oder sacken zusammen wie ein “nasser Sack”. Ein gutes Beispiel für mich ist ein neuer oder gebrauchter Teddybär. Ein neuer Teddybär ist gut gefüllt und recht stabil, hingegen ein gebrauchter Teddybär, welcher auch schon Füllmaterial lassen musste, häufig in sich zusammensackt oder schief ist. Wir wollen als Reiter der neue Teddybär sein, im ganzen Körper gleichmäßig gutgefüllt und stabil.

Kennst du deinen Körper?

Jeder Reiter sollte um seine körperlichen Schwächen und Stärken Bescheid wissen. Kein Mensch ist gerade, wir haben alle unsere natürliche Schiefe, genauso wie unsere Pferde und um diese müssen wir Bescheid wissen. Bist Du Recht- oder Linkshänder? Welches Bein ist Dein Stand- und welches dein Spielbein? Hast Du verspannte Bereiche in Deinem Körper? Verletzungen, die noch Probleme bereiten? Kannst Du in Deinen Bauch atmen? uvm.

Wer seinen Körper kennt, hat viele Vorteile beim Reiten. Ich muss immer bemüht sein, mich genauso gerade zu richten, zu stabilisieren oder zu mobilisieren, wie wir das von unseren Pferden erwarten. Häufig werden nämlich unbewusst unsere Schwächen auch zu den Schwächen unserer Pferde.

Reiten ist Sport!

Meiner Meinung nach ist Reiten Sport! Bitte verwechselt aber Reiten nicht mit einem Kraftsport, denn kräftiges Treiben und gleichzeitiges Ziehen an den Zügeln hat nichts mit klassischer Reitkunst zu tun. Stellt Euch vielmehr vor, Ihr seid ein Tänzer! Anmutig, elegant, stolz und leichtfüßig, mit einer Körperspannung, die der Zuseher nicht erahnen vermag.  

Hier am Schluss möchte ich euch nochmal darauf hinweisen, dass wir zwar immer ein Ziel vor Augen haben, aber der Weg dorthin nicht anstrengend sein muss. Seht diesen Weg positiv, genießt jede neue Erkenntnis, jeden Aha-Moment, denn jeden Fehler, den wir machen oder jede Hürde, die Dir Dein Pferd stellt, sind Chancen zu wachsen. Mit einem “lockeren Sitz” wirst Du am Ende belohnt!

Reitersitz verbessern

Ich hoffe Ihr konntet einige Tipps mitnehmen? Wenn Ihr mehr zu diesem Thema wissen möchtet, schaut auf meinem Blog vorbei, hier findet Ihr noch Videomaterial dazu.

Bis zur nächsten Folge, Eure Verena!

About the Author

Hey ich bin Verena Jennewein. Pferde sind schon seit meiner Kindheit meine absolute Leidenschaft. Sie sind kraftvoll, elegant, sensibel, intelligent und stolz. Wenn man von dieser Leidenschaft erfasst wurde, lässt sie einen nicht mehr los. Wir müssen diesen wundervollen Tieren mit Respekt begegnen und eine Partnerschaft mit ihnen anstreben. Das Wohl des Pferdes liegt mir sehr am Herzen und für mich ist ein guter Reitersitz die Voraussetzung für gutes Reiten. Als zertifizierte “Ride With Your Mind” Trainerin, Level 1 Masterclass, ist es mein Ziel, so vielen Reitern wie möglich zu helfen, besser reiten zu lernen. Julia und David von der Calm Horse Academy helfen mir dabei, mein Wissen Online zu verbreiten.

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