Folge #006 – Richtig Leichttraben - Calm Horse Academy

Folge #006 – Richtig Leichttraben

Ein Artikel von Verena Jennewein – Autor der Calm Horse Academy und Pferdeexpertin

Hier kannst du die Folge direkt anhören oder herunterladen


Herzlich willkommen zur sechsten Folge meines Podcasts „Reiten in Vollendung - deinem Pferd zuliebe“. Ich bin Verena Jennewein, zertifizierte „Ride With Your Mind Trainerin“, Level 1, Master Class.

Heute geht es um das Thema:

Richtig Leichttraben 

Woher stammt das Leichttraben?

In der klassischen Reitkunst wird das Aussitzen dem Leichttraben vorgezogen. Die Hilfengebung ist präziser und schneller als beim Leichttraben und man kann ein Pferd nur richtig im Aussitzen versammeln. 

Für die englische Jagdgesellschaft waren diese Aspekte jedoch nicht von Vorteil, denn auf der Jagd musste es schnell gehen und bequem sein. Deshalb hat sich das Leichttraben entwickelt und wurde lange Zeit auch Englisches Traben genannt. 

Leichttraben Ja oder Nein?

Heutzutage gibt es 2 Lager. Die einen, die das Leichttraben zum Himmel loben und die anderen, die es vehement ablehnen. Beim Leichttraben gibt es wie überall Vor- und Nachteile und meiner Meinung nach überwiegen definitiv die Vorteile. Deshalb bin ich klar für ein “Ja”. 

Die Gründe, die gegen das Leichttraben sprechen, können mit dem richtigen Sitz sehr leicht entkräftet werden und deshalb ist die Grundausbildung unseres Reitersitzes das A und O. 

Aus welchen Gründen Traben wir leicht?

Entlastung des Reiters: Auf längeren oder flotten Ausritten ist das Leichttraben das Mittel der Wahl. Durch das Leichttraben kann sich der Reiter viele Kräfte einsparen, schont sich und das Pferd und ist deshalb deutlich bequemer als das Aussitzen. 

Rückenschonend: Durch “richtiges Leichttraben” schonen wir den Rücken unserer Pferde und sind dadurch in der Lage, die Rückenmuskulatur ohne Übermüdung aufzubauen. Dies ist vor allem bei schwachen, jungen, alten oder Pferden mit körperlichen Problemen essentiell. Diese Pferde sind am Anfang gar nicht in der Lage, mein Reitergewicht positiv zu tragen und benötigen deshalb mehr Zeit und Hilfe, bevor man zum Aussitzen übergehen kann. 

Tempokontrolle: Wenn ich gelernt habe “richtig Leichtzutraben”, bin ich in der Lage, den Takt wie ein Metronom vorzugeben, dh. ich bestimme die Geschwindigkeit und helfe meinem Pferd besser und schneller in Balance zu kommen. 

Bessere Balance: Damit ein Pferd gesund läuft, sollte es unter dem Reiter sein Gewicht gleichmäßig auf alle 4 Beine verteilen. In der Praxis schaut dies leider häufig ganz anders aus. Viele Pferde lehnen sich am Zirkel oder in den Wendungen nach innen und überlasten dadurch die innere Schulter bzw. das innere Vorderbein. Genauso kann die Schiefe vom Pferd dazu beitragen, dass ein Vorderbein überbelastet wird. Durch das “richtige Leichttraben” kann ich als Reiter dem Pferd helfen, seine Balance wieder zu finden oder zu verbessern. Je nachdem mit welchem Fuß ich leichttrabe, kann ich ein Hinterbein mehr oder weniger arbeiten lassen oder ein Vorderbein mehr oder weniger belasten. Deshalb gibt es für mich kein Leichttraben am falschen oder richtigen Fuß, denn mit welchem Fuß ich leichttrabe, entscheidet jedes Pferd individuell nach seinen Bedürfnissen. 

Schwung: Als Reiter bin ich in der Lage, im Leichttraben mehr Schwung zu entwickeln. Dazu muss ich beim Leichttraben die Aufwärtsphase etwas mehr betonen, behalte aber immer den gleichen Takt bei, damit das Pferd aktiver und kräftiger abfußt und nicht einfach nur  “schneller” wird. 

Wie trabe ich richtig leicht?

Balancesitz als Basis: Die Basis ist für ein gutes Leichttraben ist der Balancesitz. Dieser wird immer zuerst im Schrittreiten erlernt. Hier entwickelt der Reiter einen stabilen Sitz mit einem guten Grundtonus. Er lernt zu spüren, wann das Pferd die Hinterhand aktiv untersetzt und dadurch seinen Rücken wölbt. 

Obeschenkelmuskulatur: Um aktiv und selbständig einen Takt vorgeben zu können, benötige ich meine Oberschenkel Vorderseite (Musculus quadriceps femoris) und meine Oberschenkel Innenseiten (Adduktoren). Durch diese Muskulatur bin ich in der Lage, mein Reitergewicht besser auf dem Pferderumpf zu verteilen und in der Hoch- und Tiefbewegung leicht für’s Pferd zu bleiben. Ohne diese Muskulatur würde ich immer schwer einsitzen und mein Pferd in seiner Bewegung stören. Unser Hüftbeuger (Musculus iliopsoas) spielt auch eine wichtige Rolle. Häufig ist der Iliopsoas verkürzt und verursacht dann beim Reiten Probleme wie zB. ein Hohlkreuz oder hochgezogene Knie. 

Reiten lernen

Leicht im Steigbügel: Viel Gewicht im Steigbügel und ein tiefer Absatz verhindert ein Mitfedern unserer Gelenke und lassen uns deshalb im Becken fest werden. Die gerade genannte Oberschenkelmuskulatur hilft uns, unser Gewicht besser zu verteilen. Dies wiederum macht es uns überhaupt erst möglich, unsere Füße “ruhend” im Steigbügel zu platzieren. Damit ein Reiter wirklich versteht, was ich damit meine, lege ich meine Hand zwischen den Reiterfuß und den Steigbügel und bitte den Reiter, seinen Fuß nur “ruhend” ohne Druck nach unten auf meiner Hand zu platzieren. In den meisten Fällen wird den Reitern dann erst bewusst, wieviel Gewicht sie vorher immer im Steigbügel hatten. 

Stehphase: Viele Reiter stehen zuwenig weit auf und verhindern dadurch jeglichen Schwung von ihrem Pferd. Sie verbinden allerdings mit “Weitaufstehen” ein zu weit aus dem Sattel heraus kommen, welches aber ein Sitzfehler ist,  der durch klemmende Knie entsteht. Ich meine hier aber den höchsten Punkt von der Leichttrabmechanik. Dieser befindet sich über dem Vorderzwiesel und ergibt sich durch das Öffnen unserer Hüfte. Unsere Pomuskulatur  (Gluteus maximus) wird beim richtigen Leichttraben auch in der Stehphase nicht weit über dem Sattel sein. Wenn ein Reiter “richtig Leichttrabt”, könnte man sich vorstellen, dass, wenn wir das Pferd in der Stehphase wegzaubern würden, der Reiter ausbalanciert auf seinen Füßen landen könnte. 

Leichttraben

Sitzphase: In der Einsitzphase schließen wir unsere Hüfte wieder einwenig und sind dadurch in einer leichten Vorlage. Genauso, wie wir uns auf einen Stuhl hinsetzen würden. Ein schwerer Fehler wäre, zu versuchen mit geradem oder mit zurückgelegtem Oberkörper Platz zu nehmen. Dies würde immer in einer schweren oder harten Landung enden und beim Pferd Unbehagen oder Schmerzen auslösen. Probiert es selbst einmal aus! Nehmt wie gewohnt auf einem Stuhl platz und dann versucht es einmal mit einem geradem oder zurückgelegtem Oberkörper. Ihr werdet sehen, wie groß der Unterschied ist!

Ohne Vorlage: Wenn ein Reiter sich beim Leichttraben zu weit nach vorne lehnt, verliert er seine Balance und fällt dem Pferd mit seinem Gewicht auf die Vorhand. Diese wird dadurch überbelastet und kann nicht wie gewünscht leichter werden. Ein guter Reiter bleibt aufrecht im Balancesitz, wie die Karussellstange auf dem Karussellpferd.

Leichttraben

Leicht sein fürs Pferd!!

Nach der “Ride With Your Mind Methode” benützen wir unsere Oberschenkel- und unsere Beckenbodenmuskulatur, um leichter für unser Pferd zu sein. Ein angehobener Beckenboden bringt mir meine Sitzbeine auch näher zueinander, das den Effekt hat, im Becken schmaler und für’s Pferd leichter zu werden. Benütze ich diese Muskulatur richtig, bin ich auch in der Lage, leicht am Pferderücken Platz zu nehmen oder sogar ihn mehr anzuheben.

Richtig Leichttraben

Ich hoffe Ihr konntet einige Tipps mitnehmen? Wenn Ihr mehr zu diesem Thema wissen möchtet, schaut auf meinem Blog vorbei, hier findet Ihr noch Videomaterial dazu.

Bis zur nächsten Folge, Eure Verena! 

About the Author

Calm Horse Academy ist ein Herzensprojekt. Es geht hier nicht um schneller, höher oder weiter. Die Entschleunigung in der Ausbildung und das Verstehen des großen Ganzen liegt uns sehr am Herzen. Der Schwerpunkt unserer Akademie liegt nicht beim Reiten allein. Reitkunst ist viel mehr als das, es geht um Balance, Leichtigkeit, Takt und Gefühl...

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