Juli 25

Folge #003 – Gute Vorbilder der Reiterwelt

Hier kannst du die Folge direkt anhören oder herunterladen


Herzlich willkommen zur dritten Folge von meinem Podcast „Reiten in Vollendung - deinem Pferd zuliebe“. Ich bin Verena Jennewein, zertifizierte „Ride With Your Mind Trainerin“, Level 1, Master Class.

Heute geht es um das Thema: Faktoren, die meinen Reitersitz beeinflussen


Teil 2: Gute Vorbilder der Reiterwelt!

Gute Vorbilder zu haben ist in jeder Sportart das A und O, aber ganz besonders im Reitsport sind sie auch gleichzeitig Tierschutz!!! Nur wahre Reitmeister besitzen auch das Wissen, das nötige Gefühl und den Respekt für das Fluchttier Pferd. Pferde sind sehr intelligente und sensible Tiere, denen wir mit dem nötigen Respekt begegnen sollten. Wir sollten uns das Ziel setzen, sie zu unseren Partnern zu machen und nicht zu unseren Sklaven oder Sportgeräten! In dem heutigen Podcast möchte ich euch Anregungen und Tipps geben, wie Ihr Euch “richtige Vorbilder” sucht.

Themen:

  • Reitschulen
  • Reit-Kollegen
  • Reit- und Pferdetrainer

Reitschulen

In der Reitschule wird die Grundbasis gelegt, genauso wie zuerst der Keller bei einem Haus gebaut wird. Hier beginnt für die meisten Reiter ihre Reiterkarriere. Umso wichtiger ist es deshalb, dass Ihr euch wirklich gute Reitschulen sucht! 

Die Reitschulpferde sollten in einem gesunden und  gut gepflegten Zustand und in der Ausbildungsskala fundiert ausgebildet sein. Die Pferde sollten stets Korrektur geritten werden, um die feine Hilfengebung und ihren körperlich fitten Zustand (richtige Bemuskelung) erhalten zu können. Für mich persönlich gehört auch die artgerechte Haltung zu einer guten Reitschule! Das heißt, dass die Pferde auch täglich auf die Koppel dürfen und dies am besten noch mit ihren Artgenossen. Nur so können glückliche Reitschulpferde garantiert werden, die ihren Reitschülern mit Freude helfen, reiten zu lernen!

Die Reitlehrer müssen fachlich kompetent und gut ausgebildet sein. Weiters sollten sie stetig an sich arbeiten und Fortbildungen besuchen. Beim Reiten gilt der Spruch - “Der Weg ist das Ziel”! Niemand hat je ausgelernt, jeder Trainer, der behauptet alles zu können, ist in meinen Augen ein Scharlatan. Genauso wichtig wie die fundierte Ausbildung der Reitlehrer ist auch ihr Umgang mit ihren Schülern. Dieser muss stets höflich und bemüht sein, damit der Reitschüler überhaupt in der Lage ist zu lernen. Finger weg von den Reitschulen, wo im Unterricht geschrien, geschimpft und beleidigt wird! Ein kompetenter Reitlehrer wird immer einen passenden Weg für jeden einzelnen Reitschüler finden, ohne seine Stimme erheben zu müssen. 

Mitarbeit im Reitstall erlaubt oder erwünscht!? Reitschüler sollten in einem Reitstall die Möglichkeit haben mit anzupacken. In einer Reitschule gibt es immer genug zu tun und je mehr der Reitschüler noch rund um das Reiten lernen kann und darf, umso besser wird sein Umgang mit dem Pferd. Ausmisten, einstreuen, Pferde putzen, Sattelzeug reinigen und einfetten uvm. zählen zu diesen wichtigen Tätigkeiten und gemeinsam mit anderen Reitschülern macht dies umso mehr Spass!

Reit-Kollegen

In jeder Reitschule und Einstellbetrieben gibt es Reiter mit verschiedenen Reitstilen und verschiedenen Umgangsweisen mit dem Pferd. Meistens bilden sich sogar Gruppen orientiert nach dem jeweiligen Reitstil. Ich finde es ganz verwerflich, wenn sich solche Gruppen dann gegenseitig runtermachen, Bitte bleibt kollegial! Jede Reitweise ist etwas anders und man kann jede Reitweise gut und pferdegerecht reiten oder sie falsch interpretieren und gegen das Pferd benutzen. Es liegt an Euch herauszufinden, was gut und was schlecht ist. Wenn Ihr Euch von Reit-Kollegen etwas abschauen möchtet oder Euch von ihnen Tips einholt, bitte ich Euch, schaut ihnen vorher genau zu! 

Der beste Indikator herauszufinden, ob sie eine gute Arbeit leisten, ist ihr Pferd. 

  • geht das Pferd über den Rücken?
  • ist der Rücken angehoben oder hängt er durch?
  • ist das Pferd locker oder verspannt?
  • geht es willig vorwärts oder klemmt es?
  • kann und darf das Pferdemaul tätig sein?
  • darf das Pferd Pausen machen?
  • wie oft wird das Pferd gelobt?
  • werden Ausbinder verwendet?
  • uvm.

Einer der wichtigsten Indikatoren für mich ist der Gesichtsausdruck vom Pferd!

  • schaut das Pferd glücklich aus?
  • schaut das Pferd traurig aus?
  • zeigt der Gesichtsausdruck vom Pferd vielleicht sogar Schmerzen an?

Was kann ich beim Reiter erkennen?

  • sitzt der Reiter ruhig?
  • gibt er feine, fast unsichtbare oder unsichtbare Hilfen?
  • ist sein Sitz aufrecht?
  • sind seine Beine still oder treiben sie ständig?
  • ist die Zügelführung fein oder ruppig?
  • ist die Zügelführung leicht oder wird an den Zügeln gezogen?
  • uvm.

Oberst Waldemar Seunig


"Die gefühlvolle "denkende" Hand wird es verstehen, dem Pferd die Anlehnung möglichst angenehm zu machen. Sie soll so weich und elastisch sein, dass sie fürs Auge nicht wahrnehmbar, mit den rhythmischen Bewegungen des Pferdes und den Vibrationen der Anlehnung, "mitatmet". Das wird ihr allerdings nur dann gelingen, wenn sie an einem unabhängigen und schmiegsamen Sitz "befestigt" ist, der ihr, ohne selbst an irgendeiner Stelle steif und festgehalten zu sein, alle Schwingungen des Pferdekörpers zuleitet."


"Von der Koppel bis zur Kapriole"

Achtet auf ein losgelassenes Pferd, das willig vorwärts geht und Freude an der Arbeit hat. Der Reiter sollte mit feinen Hilfen und einem ausbalancierten Sitz sein Pferd dirigieren können.

Reit- und Pferdetrainer

Gute Reiter


Mary Wanless schult uns Reitern, wie wir bewusst oder unbewusst durch unseren Reitersitz auf das Pferd einwirken.

Ob man reiten lernen oder tief sitzende Haltungsfehler beseitigen möchte - mit der Ride With Your Mind Methode erreicht man sein Ziel: locker, aber stabil im Sattel sitzen, geschmeidig mitgehen und gefühlvoll, aber effektiv einwirken zu können.

Anja Beran ist eine renommierte Ausbildnerin. Sie leitet den Ausbildungsbetrieb „Gut Rosenhof“, wo sie mit ihrem Team Pferde nach den klassischen Prinzipien bis zum höchsten Niveau ausbildet. 

Dressur - Turniersport

Wenn man auf den Turniersport schaut, finde ich Uta Gräf, Ingrid Klimke oder Jessica von Bredow-Werndl Top-Reiterinnen, die mit viel Gefühl, Leidenschaft, Fachwissen und einer Menge Liebe ihre Pferde reiten.

Alizée Froment ist eine international bekannte Dressurreiterin. Bekannt wurde sie unter anderem durch Show- und Messeauftritte, in denen sie schwere Dressurlektionen lediglich mit Halsring reitet. An ihren Pferden kann man die Leichtigkeit und Freude ihrer Arbeit erkennen. Ihre Freiarbeit schaue ich mir immer begeistert an.

Saskia Gunzer ist bekannt für ihre Arbeit an der Hand, Freiheitsdressur, Zirkuslektionen und die Arbeit am Langen Zügel. 

Richard Hinrichs ist einer der bekanntesten Vertreter der klassischen Reitkunst in Deutschland. Viele verbinden ihn mit der Barock-Reiterei. Von seinem Wissen kann jede/r viel lernen. 

Philippe Karl ist ein Meister der Reitkunst und Verfechter der „Légèreté“ (frz. für „Leichtigkeit“). Sein Wissen gibt er weltweit erfolgreich weiter. 

Eckart Meyners ist ein erfolgreicher Sportpädagoge und befasst sich seit Jahrzehnten mit dem Thema Bewegungslehre beim Reiten. Er schult Reiter, Ausbilder und Richter der FN und gibt weltweit Kurse.

Kathrin Roida bildet Pferde jeglicher Rasse An der Hand und unter dem Sattel aus. Durch die Gymnastizierung vom Boden kann sie viele Probleme gezielt beheben und dem Pferd und Reiter das Zusammenspiel erleichtern. 

Dr. Thomas Ritter bildet gemeinsam mit seiner Frau Shana Dressurpferde vom ersten Anlongieren bis in die höchsten Klassen aus. Er bietet neben der Ausbildung von Pferden auch Lehrgänge und online Kurse an.

Wilfried Gehrmann ist für mich der Doppellongen-Vater. Er veröffentlichte einige Bücher und Videos, die sehr empfehlenswert sind.

Alte Reitmeister

Gustav Steinbrecht, Nuno Oliveira, Egon von Neindorff, Dr. Reiner Klimke, Kurd Albrecht von Ziegner, Paul Stecken uvm.

Gustav Steinbrecht


"Wer wirklich ein Meister der Reitkunst werden will, muß deshalb neben vielen anderen guten Gaben auch vor allem so veranlagt sein, daß ihm schon die Bekämpfung von Schwierigkeiten an sich Vergnügen macht und seine Stimmung dadurch nicht nur nicht getrübt, sondern sogar gehoben wird. (!)" 

"Üble Laune, Verbissenheit, Ungeduld, mangelnde Selbstbeherrschung machen jeden wirklichen Fortschritt in der Dressur unmöglich"

"Fortschritte macht Dein Pferd nur, wenn Du auf gutem Fuße mit ihm stehst. Selbst wenn Du seine schlechten Neigungen, sein natürliches Widerstreben bekämpfst, muß Dein Umgang mit ihm stets von einer wohlwollenden Gemütlichkeit angehaucht sein.

Ich finde jeden einzelnen vorgenannten Trainer fachlich äußerst kompetent, feinfühlig, herzlich, pro Pferd und sie alle können ihr Wissen sehr gut vermitteln. Man sollte nie aufhören, über den Tellerrand zu schauen, denn man kann eigentlich jeder Reitweise etwas Positives abgewinnen. Oberste Priorität muss allerdings immer das Wohl des Pferdes sein. In einer pferdegerechten Ausbildung haben Hilfsmittel wie Ausbindezügel nichts zu suchen, denn diese verschlechtern meistens nur die Situation, weil sie nicht das Problem beheben. 

Gustav Steinbrecht


"Alle toten Vorrichtungen und Hilfszügel, also solche, die durch Festhalten oder -schnallen eine gleichförmige Wirkung äußern, schaden ohne Ausnahme mehr als sie nützen, da sie sämtlich das Maul des Pferdes verderben, denn die Einwirkungen durch das Gebiss können nur von der lebenden und feinfühlenden Hand des Reiters richtig abgewogen werden. 

Genauso wenig ist die “Rollkur” für irgendetwas gut, außer zum Quälen ein jedes Pferdes. Diese Art zu reiten verursacht den Pferden Schmerzen und demütigt diese stolzen Geschöpfe. Schult Euer Wissen, dann werdet ihr vieles verstehen und Ihr könnt Euren Pferd auf den richtigen Weg helfen und beginnen, eine ehrliche Partnerschaft aufzubauen! Tolle Vorbilder dafür gibt es genug!

Tipp zum Schluss:

Ich kann Euch den Vortrag “Blickschulung - pferdegerechte Ausbildung erkennen” von Anja Beran wärmstens empfehlen, weil er wunderbar zu dem heutigen Thema passt. In diesem Vortrag wird genau erklärt, wie sich die Pferde durch die “richtige Arbeit” unter ihrem Reiter bewegen oder welche Auswirkungen “schlechtes Reiten” auf unsere Vierbeiner hat. 

Ich hoffe, Ihr konntet einiges aus diesem Podcast mitnehmen und ich freue mich  schon aufs nächste Mal. 

Bis zur nächsten Folge, Eure Verena!


Tags

Pferd, Podcast, Reitersitz, Wanless Methode


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