Folge #002 – Wie dein Sattel deinen Reitersitz beeinflussen kann! - Calm Horse Academy

Folge #002 – Wie dein Sattel deinen Reitersitz beeinflussen kann!

Hier kannst du die Folge direkt anhören oder herunterladen


Herzlich willkommen zur dritten Folge von meinem Podcast „Reiten in Vollendung - deinem Pferd zuliebe“. Ich bin Verena Jennewein, zertifizierte „Ride With Your Mind Trainerin“, Level 1, Master Class.

Heute geht es um das Thema: Faktoren, die meinen Reitersitz beeinflussen


Teil 2: Wie dein Sattel deinen Reitersitz beeinflussen kann!

Wenn wir über Sättel sprechen, gibt es sehr viele verschiedene Sättel. Es gibt den Dressursattel, den Springsattel, den Rennsattel, den Polosattel, den Damensattel, viele iberische Sättel, verschiedenste Westernsättel, wie zum Beispiel in Cutter, Pleasur, Show, Roper oder den Barrel Racer. Weiters gibt es den Wanderreitsattel oder auch den alten Militärsattel, den Distanzsattel, den Töltsattel und den Stocksattel. Es gibt also unzählige verschiedene Sättel und jeder Sattel wurde für seine spezielle Arbeit entwickelt.

Ich möchte die gängigsten Sättel, die ich in meinem Unterricht habe, durchnehmen und die Vor- und Nachteile für den Reitersitz erläutern. 

Dressursattel 

Den Dressursattel gibt es in verschiedenen Sitztiefen. Er ist vergleichsweise ein kurz geschnittener Sattel und die Sitzfläche gibt es in tief, halbtief, normal  oder anatomisch geschnitten. Die Pauschen vom Dressursattel gibt es in verschiedenen Größen und haben die Aufgabe, das Reiterbein zu unterstützen. 

Vorteile vom Dressursattel 

  • Der Reiter sitzt nahe am Pferd.
  • Das Sattelblatt ist lange und gerade nach unten geschnitten und erlaubt dadurch ein längeres Bein.
  • Viele ängstliche Reiter oder Reiter, die ein Pferd mit viel Bewegung und Schwung besitzen,  bevorzugen solche Sättel. Sie werden mehr unterstützt und fühlen sich dadurch sicherer und wohler. 
  • Die jüngeren Dressursättel können heutzutage meistens vor Ort an das jeweilige Pferd angepasst werden. Ein guter Sattler kann den Dressursattel in der Kammerweite und in der Polsterung verändern. Das ist ein wichtiger Faktor für das Pferd, denn unsere Pferde verändern sich ständig. Junge Pferde befinden sich kontinuierlich im Wachstum, ältere oder verletzte Pferde bauen Muskulatur wieder ab. Auf jeden Fall verändert sich ein Pferd immer und es ist deshalb absolut wichtig, dass der Sattel zu 100 % dem Pferd passt. 

Nachteile vom Dressursattel

  • zu tiefe Sitzfläche
  • zu große Pauschen
  • Ein Dressursattel mit einer sehr tiefen Sitzfläche und großen Pauschen positioniert den Reiter und ermöglicht fast keinen Bewegungsspielraum mehr. 

Ein Dressursattel, der den Reiter positioniert und ihm kaum Bewegungsfreiheit lässt, muss immer zu seiner Anatomie passen, ansonsten wird solch ein Sattel dem Reiter Probleme oder auch sogar Schmerzen bereiten. Deshalb ist es umso wichtiger, dass beim Sattelkauf darauf geachtet wird, dass der Sattel dem Pferd und dem Reiter passt. Bitte holt euch dafür einen guten Sattler - es ist es Wert!!

In meinem Unterricht sehe ich auf Dressursätteln sehr oft viel zu lange Steigbügel, wodurch die Reiterbeine niemals stabil liegen können. Bei zu tiefen Sitzflächen mit weit hochgezogenen Hinterzwiesel wird das Becken vom Reiter oft nach vorne gekippt und es entsteht ein Hohlkreuz, das Becken blockiert und es kommt sehr häufig zu Rückenschmerzen. 

Mein Tipp: Wählt beim Kauf eines Dressursattels ein Modell mit wenig Pauschen und einer flacherer Sitzfläche, damit Ihr Bewegungsspielraum habt!!

Der Springsattel

Der Springsattel wurde speziell für das Springreiten konstruiert und ist deshalb etwas länger und der Sitz flacher als der Dressursattel. Dadurch kann ein weit nach vorn gezogenes Sattelblatt mit hohen Pauschen entstehen. Den Knien wird bei der Landung nach dem Sprung ein guter Halt ermöglicht. Er ist außerdem breiter als der Dressursattel und besser gepolstert,

Vorteile:

  • unterstützt den Springreiter
  • erlaubt viel Bewegungsfreiheit

Nachteile:

  • man muss wirklich Reiten lernen 😉

Ich muss offen zugeben, dass ich persönlich nicht die größte Springreiterin bin. Eine Höhe von 110 cm ist für mich völlig ausreichend. Cavaletti Arbeit mit dem Pferd und ein paar kleine Sprünge machen mir sehr viel Spaß und es ist eine tolle Abwechslung und Gymnastik für Pferd und Reiter.

Die Steigbügellänge ist beim Springreiten kürzer. Ansonsten bleiben die Hilfen und der Reitersitz gleich. Ich muss auch auf dem Springsattel mein Reitergewicht gut verteilen und geschmeidig in der Bewegung des Pferdes mitgehen können. Wählt auch hier am Besten ein Sattelmodell mit wenig Pauschen, dann lernt Ihr wirklich euch auszubalancieren! 

Der Vielseitigkeitssattel 

Der Vielseitigkeitssattel wird sehr häufig in den Reitschulen eingesetzt, weil mit ihm sowohl Dressur als auch Springen geritten werden kann. Sie sind besonders gut für Ausritte geeignet, da man darin einerseits gut Halt findet und auch springen kann und dank des längeren Sattelblattes bequemer sitzt als in einem extremen Springsattel. Es gibt Vielseitigkeitssättel mit Schwerpunkt Dressur (VSD) oder Springen (VSS). Die VSD zeichnen sich durch ein längeres, geraderes Sattelblatt aus und die VSS sind an einem weiter nach vorne geschnittenen, kürzeren Sattelblatt erkennbar. 

Mein Sattler hat mir einmal gesagt, dass  Vielseitigkeitssättel  nicht Fisch und nicht Fleisch sind. Ich kann einen Vielseitigkeitssattel nicht optimal in der Dressur und nicht optimal im Springen verwenden, trotzdem haben sie ihre Berechtigung.

Vorteile:

  • vielseitig einsetzbar
  • viel Bewegungsfreiheit

Der Reiter hat mehr Bewegungsfreiheit und wird dadurch animiert, besser reiten zu lernen. Der Vielseitigkeitssattel ist auch für die Reitschulen die beste Wahl, denn der Reitschüler kann auf diesem Sattel sowohl die Dressur als auch kleine Sprünge erlernen. 

Nachteile:

  • wenig Unterstützung

Beim Vielseitigkeitssattel habe ich aber auch oft schon erlebt, dass sich manche Reiter einfach zu schwer tun, ihren Sitz zu finden. In diesen Fällen ist es manchmal wirklich hilfreich, sich je nach Reitsparte einen speziell dafür geeigneten Sattel zu kaufen. 

Der Iberische Sattel

Iberische Sättel zeichnen sich durch die hochgezogenen Galerien an Vorder- und Hinterzwiesel aus und wurden für die Arbeit mit dem Rind entwickelt. Hier geht es um die Bequemlichkeit und einen guten, tiefen Sitz. Die Pferde werden meistens ausgesessen und im Schritt und Galopp gearbeitet, weniger im Trab. Das hat seine Vorteile, weil es bequemer ist. 

Vorteile:

  • bequem zu sitzen
  • tiefer Sitz durch die hochgezogenen Galerien

Diese Sättel eignen sich sehr gut für längere Ausritte oder fortgeschrittene Reiter. Sie sind durch die gute Polsterung und den Galerien sehr bequem zu sitzen.

Nachteile:

  • erschwert das Leichttraben

Die Iberischen Sättel haben keine Pauschen. Der Reiter muss daher wie beim Vielseitigkeitssattel seine Balance und die Kontrolle seiner Beine ohne Unterstützung des Sattels selber finden! Weiters erschwert dem Reiter die vorne hochgezogene Galerie das korrekte Aufstehen im Leichttraben. Beide Punkte erschweren das korrekte Leichttraben. Diese Sättel wurden für die Iberischen Pferderassen wie den Lusitano oder den Pura Raza Espanola entwickelt. Also für Pferderassen, die sich durch angenehme Grundgangarten auszeichnen, sprich bequem zu sitzen sind.

Mein Tipp: Kauft Euch nur einen iberischen Sattel, wenn Ihr Euren Sitz gefestigt habt und Euer Pferd gelernt hat, über den Rücken zu gehen!

Der Westernsattel

Der Westernsattel kommt aus der Arbeitsreiterei. Er wurde und wird immer noch auf den Ranchen zum Rinderhüten, Einfangen etc. verwendet. Weil man den Westernsattel fast den ganzen Tag benutzt, muss dieser hauptsächlich stabil und bequem sein. Hierzulande ist er sehr beliebt, im Freizeitbereich und natürlich auch für den Westernsport. Ein Westernsattel hat meistens einen Holz-Baum, der mit Leder überzogen wird. Die Unterfläche wird mit Lammfell ausgekleidet. Die Fender sind deutlich schwerer und stabiler wie die englischen Bügelriemen und meistens auch weiter vorne aufgehängt. Typisch für den Westernsattel ist das Horn. Dieses ist bei einem Westernsattel nicht mehr wegzudenken, wobei allerdings nur mehr der Roper so ein stabiles Horn besitzt, mit dem man auch tatsächlich Rinder einfangen kann.

Vorteile:

  • bequem 
  • bietet mehr Sicherheit

Der Westernsattel ist in den meisten Fällen sehr bequem zu sitzen und wird nicht nur aufgrund der größeren Auflagefläche und die einhergehende bessere Gewichtsverteilung auf dem Pferderücken gerne für längere Ausritte oder Wanderritte eingesetzt. Er bietet dem Reiter aufgrund seines Sattelhorns, des Candles und der schweren Fender ein Sicherheitsgefühl. Der Westernsattel unterstützt den Reiter und durch die Option, jederzeit an das Horn fassen zu können, vermittelt er ein Gefühl von Sicherheit. 

Nachteile: 

  • wenig Bewegungsfreiheit
  • das Horn
  • die Aufhängung der Fender

Aber auch der Vorteil, dass der Westernsattel mir Halt bietet, kann ein großer Nachteil sein. Genauso wie bei den Dressursätten kann eine Fixierung mir die Möglichkeit nehmen, meinen Reitersitz richtig zu entwickeln oder zu verbessern. Die Aufhängung der Fender ist meist etwas weiter vorne als beim Englischen Sattel und hat demzufolge den Nachteil, dass in den meisten Fällen die Ohr-Schulter-Hüfte-Absatz-Linie nicht erreicht werden kann. Der Reiter müsste zuviel Kraft aufwenden, die Fender unter sich zu bringen, als dass es ihm nützen könnte. Für mich ist aber dieser Balancesitz essentiell, um meine Muskulatur richtig und auch kraftsparend einsetzen zu können. Es gibt auch Westernsättel, bei welchen die Fender weiter hinten aufgehängt sind und diese würde ich favorisieren. Weiters bietet das Horn dem Reiter nicht nur Sicherheit, es kann schlichtweg auch einfach nur im Weg sein. Beim Leichttraben z.B. Ich werde nie den höchsten Punkt vom Leichttraben erreichen können, weil das Sattelhorn einfach im Weg ist. Es gibt natürlich einige Reittechniken, um trotzdem richtig über meine Muskulatur auf mein Pferd einwirken zu können und ihm dadurch zu helfen, sich besser zu Bewegen, aber das bedeutet für den Reiter wieder mehr Aufwand.

Ganz kurz zum Wanderreitsattel und Distanzsattel

Der Wanderreitsattel und der Distanzsattel wurden für ihren jeweiligen Zweck gebaut und müssen bequem und leicht sein. Ich hoffe, dass der Reiter bereits vorher an seinem Sitz gearbeitet hat, um dem Pferd das Tragen des Reiters zu erleichtern.



Ich hoffe, Ihr konntet einiges aus diesem Podcast mitnehmen und ich freue mich schon aufs nächste Mal.

Bis zur nächsten Folge, Eure Verena! 

About the Author

Hey ich bin Verena Jennewein. Pferde sind schon seit meiner Kindheit meine absolute Leidenschaft. Sie sind kraftvoll, elegant, sensibel, intelligent und stolz. Wenn man von dieser Leidenschaft erfasst wurde, lässt sie einen nicht mehr los. Wir müssen diesen wundervollen Tieren mit Respekt begegnen und eine Partnerschaft mit ihnen anstreben. Das Wohl des Pferdes liegt mir sehr am Herzen und für mich ist ein guter Reitersitz die Voraussetzung für gutes Reiten. Als zertifizierte “Ride With Your Mind” Trainerin, Level 1 Masterclass, ist es mein Ziel, so vielen Reitern wie möglich zu helfen, besser reiten zu lernen. Julia und David von der Calm Horse Academy helfen mir dabei, mein Wissen Online zu verbreiten.

>