Folge #001 – Wie dein Pferd deinen Reitersitz beeinflussen kann!

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Herzlich Willkommen zur zweiten Folge von meinem Podcast „Reiten in Vollendung - deinem Pferd zuliebe“. Ich bin Verena Jennewein, zertifizierte „Ride With Your Mind Trainerin“, Level 1, Master Class.

Heute geht es um das Thema: Faktoren, die meinen Reitersitz beeinflussen


Teil 1: Wie dein Pferd deinen Reitersitz beeinflussen kann!

Wir Menschen sind sehr unterschiedlich und genauso ist es auch bei unseren Pferden. Es gibt so viele verschiedene Typen, dass man diese unterteilen muss.

Als erstes Unterscheiden wir zwischen 

  • Interieur 
  • Exterieur 

Das Interieur 

Hier können wir die Pferde wieder in 2 Typen einteilen:

  • Introvertierte Pferd
  • Extrovertierte Pferd

Das Introvertierte Pferd

Dieses Pferd ist meistens ruhig und entspannt. Es lässt sich kaum aus der Fassung bringen. Häufig ist dieser Typ Pferd auch das Leittier in der Herde und dadurch tendiert es, etwas dominanter zu sein. Viele Reiter empfinden das introvertierte Pferd als gemütlich oder als „faul“ beziehungsweise „triebig“.

Welchen Einfluss auf meinen Sitz hat das introvertierte Pferd?

Introvertierte Pferde sind sehr häufig als „Anfängerpferd“ geeignet. Sie vermitteln dem Reiter durch Ihre Gelassenheit und Ruhe viel Sicherheit, sodass dieser sich mehr auf sich selbst konzentrieren kann. Somit kann der Reiter viel leichter seinen Sitz und seine Reiterhilfen entwickeln oder verbessern.

Ein introvertiertes Pferd kann einen Reiter aber auch dazu verleiten, zu viel zu treiben. Der Reiter ist der Meinung, dass sein Pferd „faul“ ist. Meistens ist dies aber nur das Resultat von einem schlechten Sitz und ineffiziente Reiterhilfen. Diese Pferde haben einfach gelernt, diese Reiterhilfen als unwichtig zu interpretieren und dadurch eben zu ignorieren.

Leider sehe ich sehr viele Reiter die auf diesen Pferden sehr schwer sitzen. Sie treiben ständig und versuchen ihr Pferd durch ein schiebendes Becken zu mehr Fleiß zu animieren. Aber genau diese Fehlmuster veranlassen ein introvertiertes Pferd dazu, noch weniger vorwärts zu gehen.

Ich, als Reitlehrer, muss dann diese Muster „Step by Step“ korrigieren. Zuerst beginne ich immer mit dem „leichten Sitzen“. Daraus resultiert eine höhere Körperspannung und eine bessere Gewichtsverteilung am Pferd. Als nächstes arbeite ich mit diesen Reitschülern an ihrer Energie. Diese muss der Reiter zuerst ansteuern können bevor ich das „richtige Treiben“ schule. Wodurch wir schon beim nächsten Punkt angelangt sind. In der Ride With Your Mind Methode ist der Treibimpuls kurz und nur so lange, bis das Pferd positiv auf die treibende Hilfe vorwärts geht. Wenn dies geschieht, muss der Treibimpuls sofort wieder ausgesetzt werden. Der Schenkel ruht dann wieder am Pferdebauch! Wir penetrieren unsere Pferde nicht mit einem stetigen Treibimpuls, sondern wir lassen sie mitdenken, denn Pferde sind schlaue Tiere und verstehen sehr schnell, was man von ihnen möchte. Deshalb ist ein ständiges Treiben völlig überflüssig!

Erst wenn ich diese Grundlagen gefestigt sind, habe ich als Reitlehrer eine Basis gelegt, damit die „feinen Reiterhilfen“ wieder funktionieren können. Das Pferd hat gelernt, dass sein Reiter ihm zuhört und mit ihm kommuniziert. Dies wiederum bringt eine positive Einstellung zur Mitarbeit mit sich, sodass introvertierte Pferde wieder beginnen, von ganz allein mehr vorwärts zu gehen. Sie entwickeln Spaß an der Arbeit. Der Reiter kann somit besser an seinem Sitz arbeiten, denn es gibt kein besseres Feedback als das von seinem Pferd!

Das extrovertierte Pferd

Hier unterscheide ich unter

  • Das verspielte Pferd
  • Das ängstliche Pferd

Das verspielte Pferd hat viel Freude an der Bewegung und ist hochmotiviert. Dieser Typ Pferd ist bestens für fortgeschrittene Reiter geeignet. Es möchte uns Menschen gefallen und reagiert prompt auf unsere Reiterhilfen. Der Reiter bekommt schnell ein Feedback, ob seine Reiterhilfen oder sein Reitersitz passen oder ob etwas verändert werden muss. Der Reiter kann dadurch sehr viel lernen und hat viel Freude am Reiten!

 

Das ängstliche Pferd ist das „ultimative Fluchttier“. Es ist immer auf Gefahr eingestellt und  ist dadurch sehr explosiv, es ist angespannt und mit seiner Aufmerksamkeit bei seiner Umwelt anstatt bei seinem Reiter.

In meinem Unterricht habe ich auf solchen Pferden noch keinen einzigen Reitschüler gesehen, welcher gut in der Bewegung mitgehen konnte. Die meisten Reiter sitzen mit viel Anspannung auf ihrem Pferd. Sie nehmen meist die Zügel viel zu kurz und klemmen ganz oft mit ihren Beinen. Leider ist dies genau das Schlimmste, das ein Reiter tun kann. Ein Pferd ist ein Fluchttier und wenn sein „Leittier“ Angst zeigt, dann muss es zurecht flüchten! Ich werde also immer zuerst an der Reiter-Pferd-Beziehung arbeiten. Diese erarbeite ich mir zuerst mit der Bodenarbeit. Das Pferd muss seinem Besitzer vertrauen können und lernen, dass dieser ihm schon Bescheid gibt, wenn wirklich Gefahr droht. Ich muss mir also das Vertrauen erarbeiten und gleichzeitig daran arbeiten, dem Pferd beizubringen gelassener zu werden. Erst wenn ich diese Basis erarbeitet habe, wird auch das Reiten wieder zum Genuss.

Das Exterieur 

  • Das verspannte Pferd
  • Das instabile, „schwammige“ Pferd 
  • Das runde Pferd
  • Das schmale Pferd
  • Die natürliche Schiefe


Das verspannte Pferd

Dieser Typ Pferd hat einen hohen Muskeltonus und ist in den meisten Fällen sehr steif und verspannt. Das Pferd ist dadurch überhaupt nicht in der Lage, sich wie gewünscht zu biegen oder zu dehnen. Dies wiederum bedeutet, dass die Reiterhilfen nicht durchkommen. 

Welchen Einfluss auf meinen Sitz hat das verspannte Pferd?

Seine Hinterhand kommt nicht unter den Schwerpunkt und seine Hanken können sich nicht ausreichend beugen. Dies wiederum verhindert ein Aufwölben des Rückens und ein Herantreten an die Trense/Reiterhand. Sein Rücken kommt nicht zum Schwingen oder gar zum Tragen. Die Stöße, die von diesen Pferden kommen sind zu groß, um überhaupt an das Aussitzen denken zu können. Viele Reiter versuchen dann, ihr verspanntes Pferd durch vermehrtes Treiben vom inneren Schenkel zu biegen oder es gar über die Reiterhand dazu bewegen zu wollen. Weil aber solche Pferde zu steif sind und sich gar nicht dementsprechend biegen können, wird in vielen Fällen der Druck des Schenkels erhöht. Durch diesen Druck, der sich auch emotional auf die Pferde auswirkt, werden diese sich nur noch mehr verspannen!! Richtig wäre, diese Pferde zuerst durch die Bodenarbeit mit den verschiedenen Seitengängen wieder geschmeidig zu machen. Die Seitengänge, die man benützen sollte, hängen immer individuell vom Pferd und seiner natürlichen Schiefe ab. Ist dann mein Pferd ausreichend gelockert und gedehnt, wird es von ganz alleine den Weg in die Tiefe suchen und sein Rücken zum Schwingen kommen. Erst dann verlagere ich die Arbeit in den Sattel.

Das instabile, „schwammige“ Pferd 


Dieser Pferdetyp hat meistens einen eher niedrigen Muskeltonus und ist im Allgemeinen sehr flexibel. Der Rücken eines solchen Pferdes hängt in den meisten Fällen durch und ist dementsprechend nicht in der Lage, einen Reiter gesund zu tragen.

Welchen Einfluss auf meinen Sitz hat das „schwammige“ Pferd?

Viele Reiter sind nicht in der Lage, diese Pferde zu stabilisieren und dadurch kommen ihre Reiterhilfen nicht richtig an. Sie versuchen ganz oft, von der Hinterhand durch vermehrtes Treiben mehr Fleiß zu bekommen oder sie nehmen die Zügel kürzer und kürzer. Nur leider bewirken diese Maßnahmen keine Stabilisierung, weil ein unstabiles Pferd gar nicht in der körperlichen Lage ist, uns richtig zu tragen. Was kann ich tun? Ich empfehle immer zuerst, über die geeignete Bodenarbeit sein Pferd zu kräftigen und zu stabilisieren und erst dann wieder in den Sattel zu steigen! Hier empfiehlt sich zB, sein Pferd über Bodenstangen zu longieren, mit ihm Hügeltraining zu machen und noch vieles mehr. Zurück im Sattel sind Übergänge, Rückwärtsrichten und die auf das Pferd abgestimmten Seitengänge das Mittel der Wahl.

Das runde Pferd

Wann sprechen wir von rund? Häufig sind es barocke Pferde, Kaltblüter oder zu „dicke“ Pferde! 

Welchen Einfluss auf meinen Sitz hat das runde Pferd?

Das Problem bei diesem Typ Pferd ist die Fülle. Ich muss genügend gedehnt und flexibel in meinem Becken sein, dass ich überhaupt gut mit der Bewegung des Pferdes mitgehen kann. Dh. Ich muss meinen Iliopsoas (Hüftbeuger) und meine Oberschenkel Innen- und Außenseiten zu mehr Flexibilität verhelfen. Hierfür empfehle ich Stretching und Mobilisationsübungen.

Das schmale Pferd

Wenn ich an ein schmales Pferd denke, fällt mir sofort die Pferderasse „Araber“ ein. Diese Pferde sind leistungsbereit und ausdauernd. Wunderschön anzuschauen. Ein Nachteil für viele Reiter ist aber ihr schmales Gebäude. Diese Pferde kann man leicht aus der Balance bringen.

Welchen Einfluss auf meinen Sitz hat das schmale Pferd?

Wenn ein Reiter sehr tief und breit auf einem schmalen Pferd sitzt, bringt er dieses sehr schnell aus seiner Balance. Das Pferd wirkt dadurch sehr instabil. Sehr häufig kann ich auch wackelnde Beine beobachten. Es fehlt dem Reiter einfach etwas Masse unter ihm. Hier werde ich immer mit dem „schmalen und leichten Sitz“ anfangen. Was heißt das? Der Reiter muss seine Sitzbeine näher zueinander führen und seinen Beckenboden anheben, dies führt zu einen schmaleren und leichteren Sitz. Weiters muss der Reiter lernen, seine  Adduktoren (Oberschenkel Innenseiten) zu aktivieren. Diese müssen sich an das Pferd anschmiegen und das Reitergewicht verteilen und gleichzeitig das Pferd stabilisieren. Das schmale Sitzen ist auf jeden Fall das A und O, denn es hilft dem Reiter, zentriert zu sitzen und das Pferd nicht aus der Balance zu bringen.

Die natürliche Schiefe

Jedes Pferd hat eine natürliche Schiefe. Es gibt Links- und Rechtshänder genauso wie bei uns Menschen. Die Pferde sind auf einer Seite mehr  und auf der anderen Seite weniger  bemuskelt, dies hängt von der jeweiligen Schiefe ab. 

Welchen Einfluss auf meinen Sitz hat die natürliche Schiefe?

Die Schiefe von Pferden hat so einen großen Einfluss auf uns Reiter, dass die Erläuterung diesen Podcast sprengen würde. Deshalb wird dieses Thema eine eigene Folge bekommen.

Ich hoffe, es hat euch gefallen und ihr seid beim nächsten Mal wieder dabei! Wenn dich die Wanless Methode interessiert, sieh dir unbedingt meine Videos dazu an! Hier kommst du zu den Videos (hier klicken)

Bis zur nächsten Folge, eure Verena! 

About the Author

Pferde sind schon seit meiner Kindheit meine absolute Leidenschaft. Sie sind kraftvoll, elegant, sensibel, intelligent und stolz. Wenn man von dieser Leidenschaft erfasst wurde, lässt sie einen nicht mehr los. Wir müssen diesen wundervollen Tieren mit Respekt begegnen und eine Partnerschaft mit ihnen anstreben. Das Wohl des Pferdes liegt mir sehr am Herzen und für mich ist ein guter Reitersitz die Voraussetzung für gutes Reiten. Als zertifizierte “Ride With Your Mind” Trainerin, Level 1 Masterclass, ist es mein Ziel, so vielen Reitern wie möglich zu helfen, besser reiten zu lernen. Julia und David von der Calm Horse Academy helfen mir dabei, mein Wissen Online zu verbreiten.

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