Januar 19

Podcast #025 – Schenkelweichen

Ein Artikel von Verena Jennewein – Autor der Calm Horse Academy und Pferdeexpertin

Hier kannst du die Folge direkt anhören oder herunterladen

Herzlich willkommen zur fünfundzwanzigsten Folge meines Podcasts „Reiten in Vollendung - deinem Pferd zuliebe“. Ich bin Verena Jennewein, zertifizierte „Ride With Your Mind Trainerin“, Level 1, Master Class.

Heute geht es um das Thema: Schenkelweichen leicht gemacht

Beim Schenkelweichen wird das Pferd nicht in seiner Längsachse gebogen  und es findet auch keine vermehrte Lastaufnahme auf der Hinterhand statt. Aus diesen Gründen zählt das Schenkelweichen auch nicht  offiziell zu den Seitengängen. 

Warum ist das Schenkelweichen trotzdem so wichtig?

Schenkelgehorsam

Bei der Vorhandwendung hat das Pferd gelernt, dass es einen seitwärts treibenden Schenkelimpuls gibt, dem das Pferd willig ausweichen soll. Jetzt wird auf dieser Grundlage aufgebaut und mit dem Schenkelweichen erweitert.

Gymnastischen Effekt

Beim Schenkelweichen muss das Pferd zur Seite fußen und seine Beine kreuzen. Dadurch werden die Muskulatur, die Bänder und die Sehnen gekräftigt und gedehnt, die Gelenke werden mobilisiert und die Bewegung wird geschmeidiger. 

Verbesserte Balance

Durch das Schenkelweichen muss das Pferd sich mit seiner Balance auseinandersetzen und verbessert dadurch seine Koordination. 

Anlehnung am äußeren Zügel

Das Pferd wird beim Schenkelweichen gegen die Bewegungsrichtung gestellt und tritt von dem Schenkel, der auf der gestellten Seite liegt, weg hin zum äußeren Zügel. Durch dieses Diagonalisieren lernt das Pferd den äußeren Zügel besser anzunehmen. 

Verena Jennewein

Das Schenkelweichen hat also definitiv seine Berechtigung und sollte nicht nur als Vorbereitung für die Seitengänge dienen. 

Wie bringe ich meinem Pferd das Schenkelweichen bei?

Ich empfehle Euch immer wieder gerne, die Vorbereitung bei der Bodenarbeit zu legen. Wenn Ihr Eurem Pferd durch verständliche Hilfen das Schenkelweichen vom Boden aus beibringt, wird sich das Pferd in der Regel viel leichter tun, Euer Verlangtes zu verstehen und umzusetzen. 

Beginnt am besten zuerst an der Bande. Euer Pferd ist durch diese begrenzt und Ihr könnt Euch besser auf das Weichen zur Seite konzentrieren. Legt Eure Hand an die vorgesehene Stelle, wo später Euer Schenkel liegen soll und gebt einen leichten Impuls oder einen ganz feinen Druck. Euer Pferd sollte bereits gelernt haben, auf diesen zu weichen. Da wir beim Schenkelweichen aber auch die Vorhand verschieben wollen, müssen wir auch die Zügel gezielt einsetzen. Wie Ihr Euer Pferd aufzäumt, kommt ganz auf Eure Vorlieben an. Das Pferd kann mit Trense oder auch gebisslos aufgezäumt sein, Hauptsache, Ihr beide fühlt Euch wohl. Ihr stellt jetzt Euer Pferd zu Euch und gebt mit dem äußeren Zügel einen kleinen Seitwärts-Impuls, so, als ob Ihr Eurem Pferd den Weg weist bzw. den Weg öffnet. Jetzt würde ich allerdings den Impuls mit der Hand am Rumpf des Pferdes gegen einen kleinen Impuls mit der Gerte ersetzen, weil Ihr ansonsten einhändig führen müsstet. Weicht Eurer Pferd wie gewünscht mit der Vor- und Hinterhand zur Seite, setzt Ihr Eure Hilfen aus und lobt es. Wie immer gilt das Prinzip: Wiederholt oft, lobt viel und gebt Eurem Pferd genügend Zeit, alles richtig zu machen. Geduld ist eine Tugend, die sich auszahlt, so kann Euer Pferd Freude an der neuen Aufgabe entwickeln. 

Als nächsten Schritt übt ihr das Schenkelweichen von der Mittellinie aus zur Bande hin. Diese Aufgabe ist bereits etwas schwieriger, da die Begrenzung nach vorne hin fehlt und Euer Pferd gut auf halbe Paraden reagieren muss. Falls Euer Pferd nach vorne wegdrücken möchte, müsst Ihr kurz zu den Basics zurückkehren. Dh. Ihr arbeitet dann nocheinmal an den ganzen Paraden, gegebenenfalls auch am Rückwärtsrichten. Wenn Euer Pferd auf die halben und ganzen Paraden wie gewünscht wieder fein reagiert, könnt Ihr weiter am Schenkelweichen arbeiten.

Wie reite ich ein Schenkelweichen?

Die vorangegangene Vorhandwendung half Deinem Pferd, eine seitwärts treibende Hilfe zu verstehen und umzusetzen. Beim Schenkelweichen wird die Vorhand im Gegensatz zur Vorhandwendung auch mitverschoben. 

Wir nehmen das Beispiel Schenkelweichen von rechts nach links.

Schiebetüren

Hierbei sind die “Schiebetüren”, die ich in dem Podcast: “Die Zügelführung - Kommunikation mit Deinem Pferd” bereits erklärt habe, sehr hilfreich. Nehmen wir das Beispiel Schenkelweichen von rechts nach links. Ich stelle mein Pferd nach rechts und öffne die Schiebetüre nach links. Dadurch vermittle ich meinem Pferd, dass es sich in die Richtung bewegen sol,l wo die Schiebetüre offen ist.

Sitzbeine

Meine Sitzbeine bewege ich auf 10 und 4 Uhr. Beim Erlernen des Schenkelweichens kann aber auch eine größere Rotation des Beckens hilfreich sein, sodass Ihr auch nach Bedarf auf 11 und 5 Uhr korrigieren könnt.

Schenkellage

Durch die Rotation bzw. die Positionierung Deiner Sitzbeine wird automatisch Dein rechter Schenkel leicht zurückverlagert. In dieser gewünschten Position kannst Du dann einen kleinen Impuls zum Weichen der Hinterhand setzen. 

Körperspannung

Stell Dir vor Deinen linken Lungenflügel wie einen Luftballon aufzublasen oder Du stellst Dir vor, dass Dein linker Rumpf ein Luftballon sei, den Du aufblasen kannst. Dadurch entwickelst Du auf dieser Seite eine vermehrte Körperspannung und eine höhere Energie. Diese Energie spürt Dein Pferd und möchte der erhöhten Körperspannung folgen. 

Wie kann ich ein Schenkelweichen reiten?

An der Bande

Weil das Pferd automatisch von der Bande gebremst wird, erleichtert Euch die Bande das seitliche Verschieben Eures Pferdes. Bei manchen Pferden kann diese Situation allerdings Stress auslösen und sie sind mit dem Schenkelweichen von der Mittellinie hin zur Bande zufriedener. 

Von der Mittellinie zur Bande

Beginnt am besten nicht sofort bei der Mittellinie. Sucht Euch am bca. den dritten Hufschlag und beginnt von dort aus das Schenkelweichen zur Bande hin einzuleiten. Wie die meisten wissen, hat die Bande eine Sogwirkung auf unsere Pferde. Diese Sogwirkung können wir uns hier zu nutzemachen. Steigert langsam die Distanz und gebt Euch Zeit. Falls Euer Pferd mit der Vorhand zu schnell zur Bande möchte und die Hinterhand nicht gut mitnimmt, benützt die Schiebetüre, dh. wenn ich ein Schenkelweichen von rechts nach links reiten möchte und das Pferd will über die linke Schulter ausbrechen, kann ich die Schiebetür rechts öffnen, um wieder die Balance der Vorhand herzustellen. Die Hinterhand wird dann wieder beginnen, Last aufzunehmen.

Seid kreativ

Ihr könnt das Schenkelweichen auf verschiedenste Weise reiten und an den verschiedensten Orten!

Die häufigsten Fehler beim Reiten von Schenkelweichen

Beim Reiter

Einknicken in der Hüfte

Durch das Einknicken in der Hüfte, wirke ich falsch auf mein Pferd ein und kann keine feinen Hilfen mehr geben. 

Zu wenig Beckenrotation

Gerade am Anfang der Ausbildung eines Reitpferdes ist die etwas übertriebene Beckenrotation ein wichtiges Hilfsmittel. 

Starre Zügelführung

Ich muss als Reiter in der Lage sein zu fühlen, wann ich an- oder nachgeben muss.

Starke/grobe Zügeleinwirkung

Eine grobe Zügeleinwirkung ist immer das Resultat einer fehlender Balance. 

Ziehen am inneren Zügel

Als Mensch ist man automatisch sehr handlastig und versucht, durch ein Ziehen sein Pferd zu lenken. Durch solch eine Zügeleinwirkung ist Euer Pferd aber nicht mehr imstande, seine Schultern frei zu bewegen.

Zu wenig mit dem äußeren Zügel begrenzen

Die Anlehnung findet am äußeren Zügel statt. Durch ein Diagonalisieren der Hilfen beginnt Euer Pferd, die Anlehnung zu suchen. Diese kann aber nur stattfinden, wenn der äußere Zügel in Kontakt ist und nicht versehentlich überstreicht. 

Stark drückender bzw. treibender Schenkel

Eine grobe Hilfengebung führt nie zum Ziel. Feine Hilfen sollten immer oberste Priorität haben. 

Beim Pferd

Die Vorhand läuft voraus

Fehler: Ziehen am inneren Zügel, zu wenig Begrenzung am äußeren Zügel, zu viel vorwärts, schiefer Sitz

Lösung: Schiebetür am inneren Zügel, halbe Paraden am äußeren Zügel, Tempo verlangsamen, ein Einknicken in der Hüfte korrigieren 

Die äußere Schulter wird überlastet 

Fehler: Schiefer Sitz, zu wenig Begrenzung am äußeren Zügel

Lösung: Sitzkorrektur, Schulterkontrolle durch den äußeren Zügel und die Schiebetüre

Die Hinterhand übernimmt kein Gewicht

Fehler: Die Vorhand läuft voraus, zu viel Tempo, zu wenig vorwärts-seitwärts

Lösung: Tempo verlangsamen, sicherstellen, dass Dein Pferd nicht nur seitwärts fußt, sondern vorwärts-seitwärts. Mehrmalige ganze Paraden

Zu wenig Beugung im Hinterbein

Fehler: Die Vorhand läuft voraus, zu viel Tempo, zu viel seitwärts

Lösung: Tempo reduzieren, Schulterkontrolle, Balance herstellen, vorwärts-seitwärts sicherstellen

Zu wenig Abstellung bzw zu wenig seitwärts

Zu Beginn kann eine kleinere Abstellung das Lernen erleichtern. Mit der Zeit sollte sich die Abstellung aber erhöhen. Dann kann die Hinterhand beginnen, mehr Arbeit zu übernehmen. Gleichzeitig werden die Hanken durch das vorwärts-seitwärts-Kreuzen mehr gebeugt und dadurch besser mobilisiert und gekräftigt. 

Durch das Schenkelweichen beginnt Ihr bereits, Euer Pferd zu gymnastizieren und legt einen tollen Grundstein für alle weiteren Seitengänge. Probiert es selbst aus und überzeugt Euch davon.

Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr auf das nächste Mal und Ihr könnt gerne in der Zwischenzeit auf meinen Blog, bei meinem Online Kurs oder auf meiner Website vorbeischauen.

Bis zur nächsten Folge, Eure Verena! 


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