Januar 19

Podcast #024 – Vorhandwendung

Ein Artikel von Verena Jennewein – Autor der Calm Horse Academy und Pferdeexpertin

Hier kannst du die Folge direkt anhören oder herunterladen

Herzlich willkommen zur vierundzwanzigsten Folge meines Podcasts „Reiten in Vollendung - deinem Pferd zuliebe“. Ich bin Verena Jennewein, zertifizierte „Ride With Your Mind Trainerin“, Level 1, Master Class.

Heute geht es um das Thema: Die Vorhandwendung - Der Beginn der Seitengänge

Die Vorhandwendung zählt noch nicht zu den Seitengängen, aber sie bereitet darauf vor und ist deshalb eine wichtige Übung, die Ihr kennen solltet. 

Seitengänge sind sehr wichtig für das Pferd, denn sie fördern:

  • das Körperbewusstsein
  • die Balance
  • die Koordination
  • die Geschmeidigkeit
  • die Kraft/Ausdauer

Ihr seht also, wie viele positive Aspekte das Reiten von Seitengängen zur Folge hat. Richtig gerittene Seitengänge helfen Deinem Pferd, sich besser zu fühlen, mehr Freude an der Arbeit zu entwickeln und dienen der Gesunderhaltung.

Ein Pferd ist von der Natur nicht zum Reiten/Tragen geschaffen worden, sondern wir Menschen machten uns das Pferd zu Nutze. Gerade deshalb sollte es unsere Pflicht sein, unser Pferd geistig und körperlich gesund zu erhalten und genau dafür sind die Seitengänge da. 

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Warum reite ich ein Vorhandwendung?

  • Das Pferd lernt zu verstehen, was eine seitwärts treibende Schenkelhilfe ist.
  • Die Vorhandwendung dient als Vorbereitung für alle weiteren Seitengänge.

Wie sieht eine Vorhandwendung aus?

Eine Vorhandwendung ist eine Wendung um die Vorhand. Dabei treten die Vorderbeine am Stand oder in einer Größe eines Hula Hoops, während die Hinterbeine um die Vorhand herumtreten. Das innere Hinterbein kreuzt dabei vor dem äußeren Hinterbein. Das Pferd ist entgegen der Bewegungsrichtung gestellt, aber nicht gebogen.  Die Vorhandwendung wird aus dem Halten begonnen und endet in der Regel nach einer 180 Grad Wendung. 

Wie bringe ich meinem Pferd die Vorhandwendung bei?

Ich empfehle Euch, mit der Bodenarbeit zu starten. Hier habt Ihr und Euer Pferd einen besseren Überblick und das Erlernen der Vorhandwendung wird erleichtert. 

Wir nehmen das Beispiel, Weichen von rechts nach links:

Ihr steht hier auf der rechten Seite von Eurem Pferd und hält die Zügel in der rechten Hand. Eure linke Hand dient jetzt als Schenkelersatz.

Am Besten legt Ihr Euren Handrücken an die Stelle, wo später Euer Schenkel platziert wird, sprich ein paar cm hinter der neutralen Schenkellage. Der Handrücken wirkt angenehmer auf Pferde als die Handfläche mit den Fingerspitzen, denn diese wird von den meisten Pferden als kitzelnd wahrgenommen. Dies hat dann meistens zur Folge, dass sich die Pferde verspannen oder sogar beginnen, mit dem Schweif zu schlagen. Deshalb empfehle ich euch den Handrücken.

Ihr beginnt nun einen leichten Druck auszuüben und wartet auf eine positive Reaktion. Gebt euch am Anfang sogar mit einer kleinen Gewichtsverlagerung in die richtige Richtung zufrieden, macht dann eine Pause, lobt Euer Pferd und wiederholt die Übung.

Bei jeder weiteren positiven Reaktion wird wieder gelobt und pausiert. So erlangt Ihr sehr schnell einige Tritte zur Seite.

Falls Euer Pferd auf einen leichten Druck hin nicht weichen möchte, könnt Ihr Eure Stimme als Unterstützung einsetzen. Falls auch die Stimme nicht ausreicht, um eine positive Reaktion zu bekommen, würde ich entweder kurz mit den Fingerspitzen, also punktueller einwirken oder bei Bedarf, die Gerte kitzelnd einsetzen.

Bitte nur kitzelnd oder leicht touchierend, keinesfalls darf eine Gerte Schmerzen zuführen. Ihr braucht Euch nur vorstellen, lästig wie eine Fliege zu sein, irgendwann wird es dem Pferd zu dumm und weicht gerne aus.

Bald hat Euer Pferd verstanden, dass es seine Hinterhand z.B. von rechts nach links mit leichten Hilfen verschieben lassen soll und lässt sich dabei problemlos rechts stellen.

Jetzt ist es bereit, das Gelernte unterm Sattel weiterzuführen.

Wie reite ich eine Vorhandwendung?

In Stellung

Wie ich Euch schon des öfteren erklärt habe, ist es wichtig, die Stellung separat bereits seinem Pferd beigebracht zu haben, um sicherzustellen, dass Euer Pferd weiß, was von ihm verlangt wird. Beim Reiten einer Vorhandwendung ist das Pferd gegen die Bewegungsrichtung gestellt!

Verena Jennewein

Sitzbeine

In der Ride With Your Mind Methode spielen unsere Sitzbeine eine essenzielle Rolle und genau deshalb beginnen wir nach dem Stellen mit der richtigen Positionierung unserer Sitzbeine. Wir nehmen wieder das Beispiel von der Vorhandwendung von rechts nach links. Hierbei positionieren wir unser rechtes Sitzbein auf 4 bis 5 Uhr, dabei wird unser linkes Sitzbein Richtung 10 Uhr gedreht. Ein Zurücknehmen unserer Sitzbeine animiert die Pferde dazu, ihre Hinterhand weichen zu lassen. 

Calm Horse Academy

Schenkellage

Durch die Positionierung der Sitzbeine wird es dem Reiter leicht gemacht, das jeweilige Bein aus der Hüfte heraus etwas zurückzulegen. Der Reiterschenkel liegt dann etwas weiter hinter der neutralen Schenkellage. Durch die Vorbereitung am Boden weiß jetzt Euer Pferd, dass es auf einen leichten Schenkelimpuls weichen sollte.

Podcast Verena Jennewein

Gewichtshilfen

Sobald sich mein Pferd in Bewegung gesetzt hat, sitze ich mit in die Bewegungsrichtung. Hilfreich ist es, wenn Ihr zuerst einmal ohne Pferd ein paar Tritte zur Seite macht, als würdet Ihr selbst das Schenkelweichen ausführen. Achtet dabei auf die Gewichtsbelastung in die Bewegungsrichtung. Ihr spürt diese in dem Moment, wenn Ihr auffußt und genau dieser Moment wird ein kleinwenig am Pferd betont, nur diesmal ist es nicht Euer Fuß, sondern Euer Sitzbein. Dabei bleiben Eure Sitzbeine schmal und Euer Beckenboden angehoben. Dies verhindert ein seitliches Wegrutschen Euer Sitzbeine und dadurch ein Einknicken in der Hüfte. 

Wanless Methode

Äußere Hilfen

Um Euer Pferd zu begrenzen, sind die äußeren Hilfen wichtig. Diese sind jederzeit bereit, das Pferd in der Vorhand (durch den Zügel) oder in der Hinterhand (durch den Schenkel) abzufangen. Genauso wichtig sind die äußeren Hilfen zum Beenden der Übung. Hierbei werden die treibenden Hilfen zuerst ausgesetzt und die Bewegung bei Bedarf mit den äußeren Hilfen gestoppt. 

Typische Fehler bei der Vorhandwendung

Überforderung

Eine Seitwärtsbewegung benötigt wieder ganz andere Muskeln, welche sich erst aufbauen müssen. Viele Reiter vergessen diesen Aspekt oder sind sich dieser Tatsache schlichtweg nicht bewusst. Die Pferde beginnen sich dann zu verweigern oder können die Aufgabe nur mehr schlecht lösen. Dies kann durch ein Intervalltraining vermieden werden. Kurze Reprisen mit häufigen Pausen ist das Mittel zum Zweck.

Zu wenig Beckenrotation

Gerade beim Erlernen der Vorhandwendung ist die richtige Positionierung der Sitzbeine und die dadurch entstehende Beckenrotation wichtig. Nehmen wir wieder das Beispiel der Vorhandwendung von rechts nach links. Hierbei wäre eine Positionierung des rechten Sitzbeines auf 4 Uhr zu wenig. Durch ein deutliches Drehen vom Becken wird das Sitzbein auf 5 Uhr positioniert und dadurch für das Pferd leichter erkennbar gemacht. 

Einknicken der Hüfte

Wenn der Reiter nicht schmal genug sitzt, kommt es leicht zu einem Einknicken in den Hüften. Das äußere Sitzbein rutscht zu weit von der Wirbelsäule des Pferdes weg, während das innere Sitzbein zu nahe zur Wirbelsäule kommt. Der Oberkörper knickt ein und die Hilfengebung ist nicht mehr deutlich für das Pferd erkennbar. Wenn dem Reiter dieser Fehler nicht bewusst ist, wird er versuchen, sein Pferd durch mehr Schenkelhilfe weichen zu lassen. Hier wird dem Pferd unrecht getan.

Zu wenig Begrenzung

Begrenzen die äußeren Hilfen zu wenig, läuft man Gefahr, dass sein Pferd über die äußere Schulter ausweicht. Diesen Fehler sieht man sehr häufig, dabei wird der äußere Arm etwas vergessen und weggestreckt. Das hat zur Folge, dass der Zügel durchhängt und überhaupt keine Begrenzung mehr stattfinden kann. 

Zu viel Begrenzung 

Sind die äußeren Hilfen zu fest oder zu starr, trauen sich viele Pferde nicht mehr wie gewünscht, in diese Richtung zu weichen und blockieren, gehen vorwärts, rückwärts oder entziehen sich den Reiterhilfen komplett.

Starre Zügelhilfen

Die Reiterhand soll stets mitfühlend sein und mit feinen Signalen seinem Pferd Hilfestellung geben. Eine starrte Zügelführung ist in den meisten Fällen grob und unlogisch für das Pferd. Diese wollen sich dann der Zügeleinwirkung entziehen. Sie lehnen sich entweder auf den Zügel, beginnen sich aufzurollen, Kopfzuschlagen oder weichen rückwärts aus.

Starke Schenkelhilfe

Eine starke Schenkelhilfe nimmt Eurem Pferd die Losgelassenheit und damit die Fähigkeit, brillieren zu können. Leichte Impulse mit einer stetigen Wiederholung und evt. dem leichten Einsatz der Gerte führen immer zur gewünschten Reaktion. Wiederhole oft, lobe viel!!!!!

Beine kreuzen nicht

Die Hinterbeine müssen in der Vorhandwendung bzw. bei jedem anderen weiterführenden Seitengang kreuzen. Dabei kreuzt in der Vorhandwendung das innere Hinterbein, welches vom zu weichenden Schenkel ausweicht, vor dem äußeren Hinterbein. Ein Fehler wäre es, wenn das Pferd nur sein Bein heranstellt. Dies kann mehrere Ursachen zur Folge haben: Die natürliche Schiefe des Pferdes, eine zu grobe Zügeleinwirkung, fehlende Balance etc.. Um also diesen Fehler beheben zu können, muss man zuallererst die Ursache herausfinden. 

Zusammengefasst ist die Vorhandwendung eine tolle Übung, um den Einstieg in die Seitengänge zu vereinfachen und sollte deshalb nicht in Vergessenheit geraten. 

Probiert es selbst aus und überzeugt Euch davon.

Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr auf das nächste Mal und Ihr könnt gerne in der Zwischenzeit auf meinen Blog, bei meinem Online Kurs oder auf meiner Website vorbeischauen.

Bis zur nächsten Folge, Eure Verena!


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