Januar 19

Podcast #022 – Stellung & Biegung

Ein Artikel von Verena Jennewein – Autor der Calm Horse Academy und Pferdeexpertin

Hier kannst du die Folge direkt anhören oder herunterladen


Herzlich willkommen zur zweiundzwanzigsten Folge meines Podcasts „Reiten in Vollendung - deinem Pferd zuliebe“. Ich bin Verena Jennewein, zertifizierte „Ride With Your Mind Trainerin“, Level 1, Master Class.

Heute geht es um das Thema: In Stellung und Biegung reiten

"Biegsamkeit und Selbsthaltung sind die Quelle der Gewandtheit des Pferdes."

Gustav Steinbrecht: "Das Gymnasium des Pferdes"

Was ist der Unterschied?

Stellung geht ohne Biegung, aber Biegung nicht ohne Stellung!

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Die Stellung

Die Stellung ist eine kleine Bewegung im Genick des Pferdes. Dem Pferd ist es also möglich, ein wenig mehr nach rechts oder links zu schauen, ohne dabei seinen Hals biegen zu müssen.

Die Pferdeohren müssen auf ein und derselben Höhe bleiben, damit die Stellung reell ist. Sobald ein Ohr höher oder tiefer kommt, verwirft sich das Pferd und ist nicht mehr gestellt.

Genauso falsch ist es, sein Pferd im Hals vermehrt zu biegen. Bei einem gestellten Pferd kann ich als Reiter etwas mehr vom  inneren Auge sehen. 

Stellung

Wie stelle ich mein Pferd?

Auf der Seite, wo ich mein Pferd stellen möchte, spiel ich ein bisschen ab. Dabei stelle ich mir vor, ein Schwämmchen in der Hand zu halten und dieses sachte, aber bestimmt auszudrücken.

Meine Finger bewegen sich dabei rhythmisch und weich. Vermeide hektische oder ruckende Bewegungen und versuch immer zu fühlen, wie dein Pferd auf deine Signale/Impulse reagiert.

Der äußere Zügel bleibt stabil und in Kontakt. Dieser darf nur soviel nachgeben, dass die Stellung für das Pferd möglich ist.

Die Reiterhilfen werden sofort wieder ausgesetzt, sobald Dein Pferd wie gewünscht reagiert hat!

Calm Horse Academy

Fehler beim Stellen!

  • Dein Pferd verwirft sich (Pferdeohren sind nicht mehr auf derselben Höhe)
  • der Pferdehals wird gebogen
  • zu viel Einwirkung am inneren Zügel
  • zu viel Nachgeben am äußeren Zügel
  • zu wenig Nachgeben am äußeren Zügel
  • die Reiterhände wirken grob oder unklar ein

Was tun wenn sich mein Pferd nicht stellen lässt?

Weiß Dein Pferd, was stellen heißt?

Übe zuerst einige Abkauübungen und das Stellen vom Boden aus, bevor du die Stellung beim Reiten versuchst. Dies wird Dir und deinem Pferd die Zusammenarbeit erleichtern. Wenn Du sicher bist, dass dein Pferd weiß, was Stellen bedeutet und trotzdem nicht wie gewünscht reagiert, kannst Du die stellende Hand etwas höher positionieren, sodass diese auf die Maulwinkel in Richtung Pferdeohren einwirkt.

Weiters kannst Du versuchen, Impulse mit dem inneren Schenkel zu geben und dadurch dein Pferd zum Nachgeben animieren.

Häufig verhindert die natürliche Schiefe ein korrektes Stellen und es empfiehlt sich, zuerst an der Geschmeidigkeit der zu stellenden Seite zu arbeiten.

Falls dies alles nicht zur gewünschten Stellung im Genick führt, könnten zB. starke Verspannungen oder verschobenen Wirbel der Grund sein und es empfiehlt sich, sein Pferd durchchecken zu lassen. 

Die Biegung

Bei einer Biegung ist der ganze Pferdekörper leicht gebogen und das Pferd ist auch gestellt. Meiner Erfahrung nach entwickelt sich die Stellung bei richtiger Biegung von ganz allein. 

Calm Horse Academy

Wie biege ich mein Pferd?

Wie ich Euch bereits schon einmal erklärt habe, benötigt es zum Wenden ein Zusammenspiel verschiedener Hilfen. Bei einer Biegung ist das genauso. Wir benötigen unsere Sitzbeine, unsere Gewichts- und Schenkelhilfen, wie auch unsere Oberschenkel und unsere Zügelhilfen.  

Wenn ich ein Pferd reite, bei dem die natürliche Schiefe nicht sehr ausgeprägt ist, reicht es in den meisten Fällen sich vorzustellen, dass der innere Oberschenkel etwas schiebt und der äußere Oberschenkel etwas zieht. Unterstützen kann ich diese Hilfe durch meinen inneren Unterschenkel, der das Pferd immer wieder auffordert, in Biegung zu laufen. Beim Treibimpuls spreche ich bewusst von einer kurzen Aufforderung, da ich diesen sofort wieder aussetze, wenn mein Pferd wie gewünscht reagiert - feine Hilfengebung.

Für manche Pferde ist dieses Zusammenspiel aus verschiedenen Hilfen noch nicht ausreichend. Ihre natürliche Schiefe ist schon etwas deutlicher ausgeprägt und sie haben Probleme, ihre steife und meistens auch starke  Schulter anzuheben.

Nehmen wir das Beispiel eines Pferdes, das links seine hohle Seite hat und rechts die steife. Um dieses Pferd rechts biegen zu können, müssen wir es schaffen, seine rechte Schulter anzuheben und dieses Gewicht gleichmäßig auf beide Schultern/Vorderbeine zu verteilen. Eine Variante wäre, mit dem äußeren Vorderbein im Moment des Auffußens mitzusitzen und dadurch die innere Schulter zu entlasten. In den meisten Fällen reagieren die Pferde wie gewünscht, balancieren sich aus und lassen die Biegung zu. Manche Pferde benötigen aber noch mehr Hilfestellung. Der Reiter kann dann noch zusätzlich seine Außenseite vermehrt kräftigen, indem er sich vorstellt, er blase einen Luftballon auf dieser Seite auf oder man atmet vermehrt in den linken (wenn wir das Beispiel mit der Linksbanane nehmen) Lungenflügel, um diese Seite zu stabilisieren.

Genauso kann ich den äußeren Zügel etwas zur Seite öffnen, um das Pferd zu animieren, dort mehr hinzufußen. Dabei spielt der innere Zügel eine wichtige Rolle, denn dieser stellt das Pferd und verhindert eine falsche Biegung. Weiters kann ich über meinen Oberschenkel die gewünschte Schulter mehr anheben und diese dadurch entlasten. Bezüglich Zügelführung erstelle ich einen separaten Blog, denn auch zu diesem Thema gibt es einiges zu beachten!. Im Prinzip lasse ich bei einer Biegung den äußeren Zügel stehen und stelle über den inneren Zügel durch einen Impuls das Genick des Pferdes nach innen. Ihr seht also, es gibt sehr viele verschiedenen Hilfestellungen, die ich einsetzen kann, um meinem Pferd zu helfen sich auszubalancieren und sich dadurch reell zu biegen.  

Biegen

Biege ich mein Pferd auf beiden Seiten gleich oft?

Nein! Zum Geraderichten muss ich die Schiefe meines Pferdes analysieren und geeignete Übungen zum Gymnastizieren wählen. Ich reite deswegen ein links hohles Pferd vermehrt in Rechtsbiegung und Stellung, dadurch dehne ich die verkürzte Seite und bewege das Pferd von seiner steifen, meist überlasteten Schulter weg. Natürlich frage ich immer wieder einmal die Biegung auf der hohlen Seite ab, ab nicht lange, da es keinen gymnastischen Wert besitzt.

Ich hoffe, Ihr hattet Spaß beim Lesen und konntet Euch ein paar Tipps mitnehmen. Wenn Ihr Videomaterial zu diesem Thema benötigt, schaut auf meinem Blog  oder bei meinem Online Kurs vorbei.

Bis zur nächsten Folge, Eure Verena!


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