Der Vortrag von Daniela Vögele

Video Teil 1 

Video Teil 2 

Online Kongress 2019

Was ist die Trust Technique® und was kann sie?

Die Trust Technique® von James French und Shelley Slingo erkennt an, dass Menschen und Tiere Gefühle teilen. Tiere haben dieselben Gefühle wie wir und sie erkennen unsere Gefühle. Sie fühlen sie. Sie fühlen uns, unseren Gefühlszustand. 

Wenn man einem anderen Wesen dazu verhelfen kann, Frieden zu fühlen, sind die Nebenprodukte Vertrauen und Zuversicht. Durch die Trust Technique® lernt man innere Ruhe und inneren Frieden zu empfinden und ihn mit Tieren zu teilen. Wenn man es schafft den eigenen Verstand runterzufahren und den des Tieres auch, kann man einander hören, dann sind die Intuitionen beider auf einer Linie. 

Und das Vertrauen und die Zuversicht, die bei der Arbeit mit der Trust Technique® entstehen öffnen uns dafür, die Ansichten der Tiere zu erkennen und zu erkennen wie intelligent sie wirklich sind. 

Und dann haben wir eine komplett neue Ausgangssituation von der aus wir arbeiten können. 

Allgemein gesagt gelingt es uns in der Regel nicht, Tieren wirklich zuzuhören: Wir haben unsere Pläne, einen so straffen Zeit- und Tagesplan, kommen zum Pferd mit einem Programm im Kopf: Heute machen wir erst das und dann das und du machst dies, und wenn es dann nicht so wird, sind wir frustriert und oder verärgert und das Pferd wird nervös. 

Wir hören ihnen nicht zu. Wenn ein Pferd nicht macht, was man sagt, oder ein Tier nicht machen kann, was man sagt, ist generell die erste Bewertung, die wir als Menschen machen „Das Tier ist böse“ oder als Variation: Das Pferd verarscht dich, testet dich, ist bockig oder gar ein „Problempferd“. Aber wenn wir unser Tempo runterfahren und ihnen wirklich zuhören und damit ist das Fühlen-Hören gemeint, wenn wir dieses Zuhören gelernt haben und wir zum Beispiel ein Tier bitten etwas zu tun und das Tier macht es nicht, dann erkennen wir, 

dass das Tier es gar nicht machen kann, weil es zB Schmerzen hat und das heißt, wir fangen an zu verstehen WARUM. Denn das wirklich Erstaunliche ist: Tiere tun alles, was man von ihnen will. Sofern sie verstehen, was man will und sofern sie können.

Daniela Vögele bei der Calm Horse Academy

Daniela Vögele

Ein „böses Tier“, ein Problempferd, eins das verarscht gibt es nicht. Es gibt aber missverstandene Tiere , Tiere mit Schmerzen, die gewisse Dinge nicht tun können, und es gibt Tiere, die tief verletzt und traurig sind. Tiere die vom Menschen übergangen und nicht verstanden oder misshandelt wurden und, ja, daran erinnern sie sich. 

Wenn wir es schaffen, unser Energielevel zu senken und unseren Verstand zu verlangsamen, kommen wir in einen achtsamen Zustand, der sehr neutral und sehr still und friedvoll ist. Und das Gefühl das dabei entsteht ist Frieden. 

Die Trust Technique® spricht von 10 „thinking levels“. Dabei ist Level 10 panisch und Level 0 der Tiefschlaf. 

Schon wenn ein Wesen auf Level 8 ist, kann es nicht mehr wirklich zuhören. 

Mithilfe der Trust Technique® lernt man die Denklevel des Tiers einzuschätzen und runterzufahren, indem man selbst innerlich still wird. Wenn man das im Tempo des Pferdes macht, passt sich das Pferd diesem Zustand an. 

Wenn Mensch und Tier mit der Trust Technique® bereits vertraut sind, kann das in vielen Situationen nützlich sein: Wenn ich zum Beispiel in der Halle reiten will und mein Pferd und ich sind beim Betreten der Halle schon auf Level 7, weil so viele andere Reiter da sind und eine gewisse Unruhe herrscht o.ä., dann ist das bereits gefährlich, denn mein Pferd und ich können einander kaum hören. 

Habe ich aber das Vertrauen meines Pferdes und ein Mittel, einer solchen Situation die Aufregung zu nehmen, können wir gemeinsam auf ein Level kommen, wo Kommunikation wieder möglich ist, wir einander hören und verständigen können. 

Die Stille des eigenen Verstands kann ein Tier dazu bringen, in eine Schlafphase zu kommen. Wenn ein Pferd neben dir einschläft und in einen Tiefschlaf fällt und dich beim Aufwachen sieht wird dies euer Beziehung komplett verändern, denn es wird dich in einem anderen Licht sehen. In einem das friedvoll, zuversichtlich und vertrauensvoll ist. Das gesetzte Ziel der Trust Technique® ist es allerdings nicht, Tiere in Gegenwart eines Menschen in den REM Schlaf zu bringen. Irgendwann passiert das sowieso, wenn man mit der Trust Technique® arbeitet, man muss es einfach geschehen lassen. 

Man wird also still, betrachtet ein Tier, hört ihm zu , und passt sich hierbei dem Tempo des Tiers an. Und das ist die Kunst daran, im Tempo des Tiers zu arbeiten, und es ist auch ein für uns anderes Konzept, denn üblicherweise arbeiten wir ja in unserem eigenen Tempo. 

All dies lernt man in einem Trust Technique® Beratungstermin oder (auf Englisch) im Videokurs von James French und Shelley Slingo. 

Die Ergebnisse sind erstaunlich. Die Menschen bemerken sehr schnell das veränderte Vertrauensverhältnis, die Tiere beginnen auch außerhalb der Sessions zu kommunizieren bzw. wird der Mensch empfänglicher und offener für diese Zeichen und generell achtsamer. Die Pferde zeigen was sie brauchen und werden sehr sanft mit ihren Menschen: die Türen sind geöffnet. 

Man kann mit der Trust Technique® auch Tiere und Menschen von Ängsten und daraus resultierenden Verhaltensweisen befreien und Tieren mit chronischen oder akuten Schmerzen helfen zu entspannen und den Schmerz loszulassen, den Pferden und auch den sogenannten Problempferden wieder Vertrauen und Zuversicht schenken, Traumata auflösen und vieles, vieles mehr. Und, mit einem ruhigen Verstand und klarer Intention ist natürlich auch das Lernen neuer Dinge und das gemeinsame Arbeiten ein ganz anderes und macht die Arbeit mit Dominanz, Druck und Angst überflüssig. 

About the Author

Calm Horse Academy ist ein Herzensprojekt. Es geht hier nicht um schneller, höher oder weiter. Die Entschleunigung in der Ausbildung und das Verstehen des großen Ganzen liegt uns sehr am Herzen. Der Schwerpunkt unserer Akademie liegt nicht beim Reiten allein. Reitkunst ist viel mehr als das, es geht um Balance, Leichtigkeit, Takt und Gefühl...

  • Erdmaus sagt:

    Sehr, sehr schön.

  • Jennifer sagt:

    Mich würde interessieren, ob die Videosequenz aus dem Wald in einem uneingezäunten Gelände aufgenommen wurde.
    LG

  • Sabu sagt:

    Sehr schöner und Interessanter Beitrag. Ware sehr interessant für mich wie ich mit meinem Morgenmuffelpferd umgehen kann dass er morgens besser drauf ist…🤔.

  • Michaela sagt:

    ein tolles Video!

  • Mona sagt:

    Hallo liebe Daniela! Danke Dir für deinen Vortrag. Ich habe es sehr genossen einmal etwas von Dir zu sehen & zu hören(statt „nur“ zu lesen). Ganz liebe Grüße, Mona

  • Irene Keil sagt:

    Das ist ein sehr spannender Beitrag und zeigt einmal mehr, wie einfach es sein kann, entspannt und friedlich mit Tieren umzugehen, Vertrauen aufzubauen und Traumata zu heilen. Dass zuhören der Schlüssel zu dem Ganzen ist, Ruhe und Respekt, das wird hier sehr deutlich gemacht. Danke Daniela für Deinen Vortrag. LG Irene

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