Der Vortrag von Christiane Gittner

Video Teil 1 

Video Teil 2 

Online Kongress 2019

Problempferde? Niemals! Sei Deinem Pferd der beste Freund!

Seit ich denken kann, liebe ich die Pferde, sie üben eine unglaubliche Faszination für mich aus, da ich selbst extrem freiheitsliebend bin – kein Lebewesen verkörpert für mich Freiheit so sehr wie ein Pferd.

Doch wie sieht für die Pferde die Realität aus? Wo ist ihre Freiheit geblieben? Die physische und psychische Enge, mit der sie leben müssen, macht mir tief zu schaffen, besonders wenn ich in ihre Augen schaue – Pferdeaugen sind so unfassbar schön, wie können wir sie traurig machen? Ich möchte, dass wir ihren Glanz, ihr Leuchten, ihre Sanftheit hüten wie unseren eigenen Augapfel, denn so sehen wir unsere Pferde stolz, glücklich, frei!

Kein Pferd der Welt ist von vornherein ein Problempferd, sie werden dazu gemacht. Die Gründe, die leider wir Menschen zu verantworten haben, sind vielfältig, hier nur einige: 

  • zu wenig Zeit, zu wenig Geduld, man täuscht sich oft mit irgendwelchen Hilfsmitteln darüber hinweg, dass eine gute und pferdegerechte Ausbildung von Körper und Geist eben nicht abgekürzt werden kann

  • zu hohe Erwartungen, verbissener Ehrgeiz (nicht zu verwechseln mit freundlichem Ehrgeiz), zu wenig Sinn für innige Glücks-Momente

  • zu wenig Bedacht dafür welches Pferd wirklich zu einem passen könnte vor dem Kauf, nicht nur die äußeren Faktoren zählen, es zählt das Gefühl für DIESES Pferd

  • zu wenig aus Pferdesicht „gute“ Kriterien in der Zucht = gesundheitliche Probleme

  • zu wenig menschliche Größe (und alles, was das bedeutet), zu wenig gesunder Menschenverstand

  • zu wenig Rücksichtnahme auf die Grundbedürfnisse des Pferdes und überhaupt zu wenig Verständnis dafür, was ein Pferd im Wesentlichen ausmacht = zu viele Missverständnisse zwischen Mensch und Pferd

Wir brauchen von all diesen Gründen das Gegenteil.

Pferde können, wenn sie Probleme mit Menschen haben, sehr unterschiedlich reagieren, es reicht von absolut aggressivem Verhalten bis hin zu komplettem Abgeschaltet-Sein. Ein angreifendes Pferd, das nur eines im Sinn hat, nämlich sich den Peiniger Mensch vom Hals zu halten, ist gefährlich bis lebensgefährlich. Ein Pferd, das wie ohne einen Funken Leben da steht, ist für mich mit das Traurigste, was es gibt auf der Welt.

Christiane Gittner bei der Calm Horse Academy

Christiane Gittner

Wenn ich zu einem Pferd gehe, möchte ich sein Freund sein. Ich erwarte nichts von ihm, ich biete ihm nur meine Freundschaft an. Ich bringe ihm all die Freundlichkeit, Empathie,  Höflichkeit, Ehrlichkeit, Achtsamkeit, Klarheit, Wertschätzung, Echtheit, Offenheit, Verlässlichkeit und Liebe entgegen, die ich mir auch von ihm wünsche. Wenn es sich mir zuwendet, freue ich mich unendlich. Erst dann schauen wir nach einem gemeinsamen Weg, füreinander ins Miteinander. Anders macht es keinen Spaß – und warum sollten wir etwas tun, was keinen Spaß macht? Das macht für ein Pferd genauso wenig Sinn wie für mich.

Wenn wir unsere Pferde schon räumlich begrenzen müssen, können wir ihnen doch wenigstens geistige Freiheiten lassen, das heißt für mich: sie dürfen nicht nur ihre Meinung „sagen“, ich möchte, dass sie es tun! Wie in einer echten Partnerschaft, wie in einer richtigen Familie! So geben wir einander nur das Allerbeste – und mehr kann man sich doch gar nicht wünschen, oder?

About the Author

Calm Horse Academy ist ein Herzensprojekt. Es geht hier nicht um schneller, höher oder weiter. Die Entschleunigung in der Ausbildung und das Verstehen des großen Ganzen liegt uns sehr am Herzen. Der Schwerpunkt unserer Akademie liegt nicht beim Reiten allein. Reitkunst ist viel mehr als das, es geht um Balance, Leichtigkeit, Takt und Gefühl...

  • Resi sagt:

    Wo findet man denn das Freiarbeitsvideo?

  • Petra sagt:

    Toller Vortrag !
    Leider finde ich das im Interview erwähnte Video nicht 🙁
    Wo muss ich suchen?
    Vielen Dank!

  • Lydia sagt:

    Wirklich ein so schöner, authentischer Vortrag…viele Inspirationen, den ganz eigenen Weg mit seinem Pferd zu finden – zusammen, auf Augenhöhe und ohne vorgefertigte Schablonen im Kopf…danke!

    • Christiane Gittner sagt:

      Danke Dir, liebe Lydia, genau die von Dir erwähnten Aspekte sind für mich und nach meiner Erfahrung eben vor allem für die Pferde so wichtig, ich freu mich, dass Dir das auch so geht 🙂

  • Julia sagt:

    Wahnsinn….ein super toller Beitrag, so ein sympathisches Interview. Da fühlt man sich direkt motivierter und hat viel weniger ˋˋAngst´´ etwas falsch zu machen oder gar zu versagen, im Gegenteil so mit seinem Pferd zu sein wie man wirklich ist und sich nicht zu verstellen, weil Methode XY das so vorgibt. Sich trauen zu dürfen und auch mal etwas nicht können müssen und trotzdem mit seinem Pferd einen individuellen Weg zu finden.
    Man merkt Frau Gittner total an das, Sie mit ganzem Herzen dabei ist. Und ich finde es toll das Sie nicht in Schemen denkt….wie Turnierreiter sind schlecht oder es gibt nur Diese und Jene Methode, sondern eher ermutigt.
    Ich kannte bisher nur den Namen aber nicht die Trainerin und bin sehr beeindruckt.
    Wirklich toll.
    Danke dafür.

    • Christiane Gittner sagt:

      Danke Dir, liebe Julia, für Deine lieben Worte, ich habe mich sehr darüber gefreut, und ja, genau das liegt mir am Herzen, positiv zu denken, das Gute aus allem für sich und sein/e Pferd/e zu finden, nicht pauschal bzw. zu wenig differenziert zu denken, keine Versagensängste zu haben und vor allem mit Freude dabei zu sein, denn dann sind es auch die Pferde, und sie beschenken uns so reich 🙂

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