Juli 16

Hufrehe: Ein erschreckender Befund!

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Hufrehe ist eine in unseren Haltungsformen immer häufiger auftretende, entzündliche Erkrankung des Hufes.

Bleibt sie unbehandelt oder wird zu spät behandelt, endet sie meist sogar tödlich. Sie ist nach der >> Kolik << die zweithäufigste Todesursache bei Pferden und Ponys. 

Hufrehe ist also immer ein echter Notfall! 

Hufrehe kann auf einem Huf, nur auf den Vorderhufen oder auf allen vier Hufen gleichzeitig auftreten. 

Hatte ein Pferd einmal einen Reheschub, so bleibt es zeitlebens anfällig. 

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Auslöser für einen Reheschub

Viele unterschiedliche Faktoren können als Auslöser für eine akute Hufrehe infrage kommen. 

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Sehr selten findet man heutzutage die Überlastungsrehe. Auch die Geburtsrehe ist in der gegenwärtigen Zeit selten geworden.

Häufig findet man die Frühjahrshufrehe, welche vor allem zu Beginn der Weidesaison auftritt. 

Auffällig ist aber in den letzten Jahren das gehäufte Auftreten von Hufreheschüben zu ungewöhnlichen Zeiten, z. B. im Herbst oder Winter. In der Anamnese dieser Fälle leiden die Pferde stets unter haltungs- und fütterungsbedingten Stoffwechselentgleisungen.

Pferde auf der Koppel

Pferde richtig anweiden

Symptome einer Hufrehe

Die ersten Anzeichen sind ein klammer Gang mit Trachtenfußung und verkürzten Schritten, Wendeschmerz, vermehrte Pulsation der Arterien an den Fesselköpfen sowie eine Erwärmung der Hufe. 

Die Zangenprobe kann ein gutes Hilfsmittel sein, eine generelle Schmerzhaftigkeit im Huf von einer lokalen (z. B. Hufabszess) zu unterscheiden

Zangenprobe Hufrehe

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Der Grad der Lahmheit ist nicht nur vom Grad der Schädigung, sondern auch vom Schmerzverhalten, bzw. Schmerzempfinden des jeweiligen Pferdes abhängig. 

Im weiteren Verlauf liegen die Pferde viel, um den Druck vom Hufbeintrageapparat zu nehmen. 

In diesem Stadium stehen die Tiere häufig in einer Sägebockstellung und versuchen durch eine vermehrte Trachtenbelastung das rotierte Hufbein durch eine bodenparallele Stellung zu entlasten.

gesundes Hufbein Pferd

gesundes Hufbein

Hufrehe

rotiertes Hufbein

Hufbeinsenkung & Hufbeinrotation

Der Huf kann von außen fast normal aussehen, während auf den Röntgenbildern schon die Folgen der Hufrehe sichtbar sind. 

Die Hufrehe geht immer einher mit Entzündungsreaktionen der Huflederhaut. Durch die Entzündungsreaktionen kommt es letztlich zur Ablösung der Verbindung von Lederhaut und Hornkapsel, was im ersten Schritt zur Hufbeinabsenkung führt. 

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Durchblutungsstörung der Huflederhaut

Durch den Zug der tiefen Beugesehne am Hufbein kommt es - wenn das Hufbein über die Lederhaut nicht mehr an der Hornkapsel befestigt ist - zur Rotation des Hufbeins. 

Diese Hufbeinrotation ist dann auf den Röntgenbildern ersichtlich.

Die Verkippung des Hufbeins führt dann häufig zur Quetschung der Sohlenlederhaut im Bereich der Hufbeinspitze, was zur Minderdurchblutung führt. Es kann zum Durchbruch der Hufbeinspitze im Hufgewölbe kommen. 

Der Durchbruch gilt noch heute in den meisten Fällen als Todesurteil für ein Hufrehepferd.

Behandlung von Hufrehe

In der Therapie von Hufrehe muss immer unterschieden werden zwischen Akutmaßnahmen und langfristigen, den Stoffwechsel regulierenden Therapieansätzen. 

Während die Akutmaßnahmen darauf abzielen, die Symptome zu lindern und eine Verschlechterung des Zustandes zu vermeiden, richten sich die langfristigen Maßnahmen nach den Ursachen bzw. der Grunderkrankung. 

Sie zielen vor allem darauf ab, die Hufrehe nachhaltig auszuheilen, sodass es nicht zu einer Chronifizierung kommt.

Es gibt kein Mittel gegen Hufrehe sondern nur Medikamente, welche die Symptome lindern. (Schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente)

#1 - Medizinische Therapieansätze bei einer Hufrehe

In erster Linie hat die medizinische Akuttherapie das Ziel, die Schmerzen zu minimieren sowie die Durchblutung der Hufe zu gewährleisten. 

Zu den nach wie vor besten akuten Therapiemaßnahmen bei Hufrehe gehört der Aderlass, der am wirksamsten ist, wenn das Pferd dabei nicht oder nur in geringem Maß infundiert wird. 

(Durch geringe Akzeptanz der Pferdebesitzer - leider kaum noch angewandt)  

#2 - Alternative Therapieansätze bei einer Hufrehe

Pferdegesundheit
  • Blutegel
  • TCM
  • Phytotherapie
  • Homöopathie
  • MSM

#3 - weitere Maßnahmen

Kühlung z. B. durch kühlende Polsterverbände, welche stündlich kalt begossen werden. Eimer, in die das Pferd gestellt wird, ein Teich, eine Schlammpfütze oder noch besser fließendes Wasser wie ein kleiner Bach. Das sorgt für Linderung der Schmerzen und eine verminderte Entzündungsreaktion.

Ein Hufverband kann angelegt werden, um das Pferd mithilfe einer Schaumstoffeinlage im Trachtenbereich auf ein Plateau zu stellen, sodass die Zehe frei schwebt. Das Pferd kann wieder abrollen und der Zehenschmerz wird reduziert. 

Hufverband

Hufverband mit Einlage

Hufverband

Pony Hidalgo mit Hufreheverdacht

Rehebeschläge sind aufgrund der Schmerzverstärkung, die mit der Erschütterung des Aufnagelns verbunden ist, kritisch abzuwägen. 

Essenziell ist ein striktes Futtermanagement.

Optimal ist die Haltung mit Sichtkontakt zu anderen Pferden in einer Box mit Paddock (Sand), welche dick und weich (Sägespäne/Stroh) eingestreut werden sollte. Das Pferd sollte die Möglichkeit zur freien Bewegung haben, ohne auf der Stelle wenden zu müssen (Boxenhaltung) oder durch andere Pferde drangsaliert zu werden (Offenstall).

Pferdebox

dick eingestreute Pferdebox

Die weiteren Maßnahmen richten sich nach der jeweiligen Grunderkrankung.

Auch bei rotiertem Hufbein sollten alle Therapieversuche unternommen werden. Gelingt es, die Hufrehe umgehend und nachhaltig auszuheilen, so richten sich rotierte Hufbeine bei konstanter und entsprechend guter Hufbearbeitung innerhalb von etwa 1 - 2 Jahren wieder weitgehend gerade und die Pferde werden nach diesem Zeitraum wieder voll belastbar. 

Mehr Informationen und Tipps zur Pferdegesundheit findest du auf der nächsten Seite. 



  • Hallo Julia.

    Etwas vermisse ich in deinem Artikel. Zum Hauptfutter unserer Pferde, vor allem in Deutschland, dem Heu schreibst du keine Zeile.
    Unser Kleinpferd hat auch Hufrehe und wir setzen uns seit vier Jahren damit auseinander. Die Rehe kam im März vor der Weidezeit, ohne EMS, hatten wir vorher gerade getestet, ohne süßes Zusatzfutter hatten wir schon immer gemieden da sie dazu neigt dick zu werden. Weitere fünf Pferde sind in der Zeit in dem Stall erkrankt.

    Hauptgrund für viele Pferde ist die Überzuckerung.
    Doch der Hauptzucker liegt im Heu. Fast alle Wiesen sind heute reine Graslandschaften mit 5-10 Grasarten allen voran das süße deutsche Weidelgras. Was übrigens in Amerika auf der Liste der Giftpflanzen ist. Vor den 70er Jahren waren die Pferdeweiden noch magere Kräuterwiesen mit bis zu 50 Pflanzenarten. Heute finden wir neben dem Gras vor allem Löwenzahn in rauen Mengen und im Herbst Klee. Beides Indikatoren für Überdüngung. Bunt und vielfältige ursprüngliche Wiesen findet man heute nur noch in Ländern wie Rumänien oder Norwegen.
    Wir beziehen mittlerweile unser Heu aus einem Naturschutzgebiet, wo nicht gedüngt werden darf und der erste Heuschnitt erst nach dem 15 Juni erfolgen darf. Die Halme sind bis zu 1 m lang und ausgeblüht. Wir haben eine Heuanalyse machen lassen mit dem Ergebnis das das Heu gerade unter 10% Zucker/Fruktane enthält und daher als Pferdefutter gut geeignet ist jedoch auch nicht ad libitum gefüttert werden darf.
    Man kann sich vorstellen wieviel Zucker in unserem Industriegras, eigentlich für Hochleistungsmilchkühe angebaut, enthalten ist. Wenn die Futterration 10kg Heu beträgt und davon 1kg oder sogar viel mehr nur aus Zucker besteht und keine anderen Pflanzenarten gefüttert werden ist es abzusehen das die Tiere erkranken.

    Ich kann nur empfehlen das Thema Heu nicht zu vergessen. Die Futterhersteller sind auf die Problematik ja auch längst eingegangen und haben Zuckerfreie Zusatzfutter hergestellt.
    Ohne Zusatzfutter, Kräuter und Mineralfutter sind die Pferde durch unser Heu unterversorgt.

    Viele Grüße und weiter gutes Gelingen
    Birgit Behrens

    • Hallo liebe Birgit, ganz toll geschrieben! Danke dafür. Du hast natürlich absolut Recht. Die Fütterung und die Hufbearbeitung sollten unbedingt noch ergänzt werden. Viele Grüße

  • Vier Beobachtungen:
    – Hufrehe ist oft mit Insulin-Resistenz verbunden; man sollte also für viel ruhige Bewegung im Schritt sorgen, wenn man vermutet, dass ein Pferd zur Rehe neigt.
    – Ponys und Kleinpferde weiss man, aber auch Grosspferde (inklusive Rennpferde im Training) können an Rehe leiden, besonders, wenn sie aufgestallt sind und grosse Mengen an Kraftfutter bekommen.
    – Bei der Fütterung (siehe Birgits Beitrag) sollte man nicht nur auf die Heuqualität (Heulage sollte unbedingt vermieden werden!) sondern auch auf die Weide achten, gerade bei ehemaligen Rinderweiden. (Da gibts dann noch mehr Schwankungen im Zuckergehalt, je nach Tageszeit/Witterung/Graslänge…).
    – Stress kann einen Reheschub auslösen, also wenn möglich vermeiden.

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