Mit Gefühl, Takt und Gleichgewicht zur Leichtigkeit

Das Ziel der Ausbildung ist es, dass ich mein Pferd prompt in alle Richtungen bewegen kann, ähnlich einer Kugel, die jederzeit vorwärts, rückwärts und zur Seite rollen kann. Dafür muss es sich geschmeidig biegen und stellen lassen.
- Anja Beran -

                                                                               


In der Bodenarbeit wird die Gymnastizierung des Pferdes durch Seitengänge erarbeitet

Die mobilisierenden Seitengänge 

Übertreten, Schulterkontrolle 

Die versammelnden Seitengänge                    

Schulterherein, Kruppeherein, Pirouetten

Um unser Pferd gesund zu erhalten, müssen wir es durch gezielte Aufgaben gymnastizieren. Durch diese Arbeit lernt das Pferd sein Gewicht anders zu verteilen, als die Natur es vorgibt. 

Unser Ziel ist es, das Pferd zu motivieren mit der Hinterhand vermehrt unter den Schwerpunkt zu treten und somit mehr Last auf der Hinterhand als auf der Vorderhand zu tragen. Der Federmechanismus der Hanken hilft, dass das Pferd während der Arbeit mit uns nicht zu Schaden kommt, sondern körperlich sogar gefördert wird. 

Übertreten an der Hand

Durch diese Übung lernen die Pferde zum ersten Mal, dass es neben dem Geradeaus auch ein Seitwärts gibt. 

Das Übertreten sollten wir immer mit Ruhe abfragen, dadurch können wir die Muskulatur unseres Pferdes dehnen und das Pferd in seiner Geschmeidigkeit fördern. 

Für diese Übung bringen wir uns wieder in die typische Bodenarbeitsposition - vor das Pferd, auf der jeweiligen Seite von der das Pferd wegtreten soll. Das Pferd sollte zu uns gestellt und gebogen sein. Mit der Gerte berühren wir leicht die innere Schulter. Beim kleinsten Weichen, loben wir das Pferd und pausieren. Zu Beginn bewegen wir uns in einem kleinen Kreis, um das Vorwärts zu erhalten, später bleiben wir in der Mitte stehen und lassen das Pferd wie einen Uhrzeiger um uns herum treten. Das Augenmerk liegt auf dem Leichtwerden der uns zugewandten inneren Schulter. Durch ein Weisen der Gerte vor die Brust und dem entsprechenden Stimmkommando halten wir das Pferd in dieser Übung an, lassen es kurz stehen und leiten dann einen Richtungswechsel ein. 

Schon Frédéric Pignon sah das - Dirigieren der Schulter - als Schlüssel für die feinste Kommunikation.

Schulterkontrolle 

Durch diese Übungen entwickeln die Pferde ein Bewusstsein, uns zu respektieren und stets einen Sicherheitsabstand zu wahren. Die Pferde lernen hier durch feinste Hilfen von uns zu weichen. Die Schultern des Pferdes werden leicht. 

Wir beginnen die Übung in einer Ecke. Wir führen das Pferd auf dem Hufschlag und treten dann einige Schritte ins Bahninnere, um das Pferd einzuladen. Es folgt uns einige Schritte, nun signalisieren wir durch Anheben der Gerte in Schulterrichtung, dass die zuvor äußere Schulter wieder Richtung Hufschlag bewegt werden soll und somit zur inneren Schulter wird.
Will das Pferd nach vorne stürmen, heben wir die Gerte regulierend an und bleiben gegebenenfalls sogar stehen. 

Diese Übung führen wir vorerst in einem größeren Radius aus. Mit der Zeit, können wir die Wendung so weit verkleinern, dass das Pferd mit der Hinterhand fast am Hufschlag bleibt ( Hinterhandwendung - eine Wendung um die Hinterhand ). Wir sollten allerdings unbedingt darauf achten, dass die Hinterbeine nicht am Bodern verharren oder das Pferd sich auf ihnen dreht! Es soll fleißig mit treten.

Schulterherein

Wir beginnen die Übung in einer Ecke, denn wie Oliveira zu sagen pflegt: Eine korrekt ausgerittene Ecke ist ein Stückchen Schulterherein! Wir positionieren uns wieder an der Schulter unseres Pferdes in Bewegungsrichtung. Wir halten leichte Verbindung zum äußeren Zügel. Wir zupfen leicht am inneren Zügel und fragen nach einer Stellung. Sobald das Pferd sich in unsere Richtung stellt, hören wir auf zu zupfen. Die Ohren unserer Pferde sollten hier parallel bleiben.
Wir üben jetzt gleichzeitig einen leichten Zug auf den äußeren als auch auf den inneren Zügel in Richtung unserer Körper aus. Die Vorhand wird so nach innen geführt. Das innere Hinterbein fußt nun Richtung äußeres Vorderbein. Ist die Vorhand korrekt nach Innen geführt, halten wir nur noch Kontakt am äußeren Zügel. 

Das Pferd muss mit dem äußeren Hinterbein Last aufnehmen. Es darf nicht seitlich ausweichen, denn dann haben wir keine korrekte Biegung in dieser Übung. Leider fehlt uns der äußere Schenkel um das Pferd zu begrenzen. Deshalb beginnen wir die Übung immer an der Bande, diese begrenzt das Hinterbein. 

Zu Beginn sollten nur wenige Tritte verlangt werden. Erst wenn das Pferd die Übung verstanden hat, können wir die begrenzende Bande verlassen und auf gebogenen Linien arbeiten. 

Ein korrektes Schulterherein wird als "Aspirin der Reitkunst" bezeichnet, da wir das Pferd korrekt gestellt, gebogen und versammelt wieder in einen balancierten Zustand bringen können.

Neben dem Schulterherein gehört das Kruppeherein zu den wichtigsten Lektionen oder Meilensteinen auf dem Weg zur Reitkunst! Das Kruppeherein bereitet auf Wendungen und Pirouetten vor.  

Kruppeherein

Das Travers forder noch mehr Biegung als das Schulterherein, um das Vorwärts und die Leichtigkeit beim Kreuzen des äußeren Vorderfußes zu sichern. Die Vorhand befindet sich auf dem zweiten Hufschlag und die Hinterhand auf dem dritten Hufschlag. Bei allen Wendungen hat die Vorhand den längeren Weg. Wir müssen darauf achten, dass die Hinterhand nicht die Führung übernimmt. Die Schulter des Pferdes müssen wir stets vor die Hinterhand führen. 

Wir positionieren uns in Bewegungsrichtung fast vor die äußere Schulter. Der äußere Zügel übernimmt die Führung und ist zuständig für Biegung und Versammlung. Der innere Zügel stellt das Pferd in Bewegungsrichtung.

Weicht das Pferd nicht genügend seitwärts, korrigiere ich dies, indem ich mit dem äußeren Zügel Richtung Bande einwirke, um die Vorhand zu regulieren, ebenso kann das äußere Hinterbein auf Oberschenkelhöhe touchiert werden.  

Pirouette

Während dieser Übungen sind wir dem Pferd zugewandt auf Höhe der äußeren Schulter. Der äußere Zügel wirkt über sanfte Paraden temporeduzierend. Die Vorhand wird um die Hinterhand geführt. Unser Pferd ist in Bewegungsrichtung gestellt und gebogen. Die Hinterhand bewegt sich in einem kleinen Kreis. Achtung! Wir müssen unbedingt darauf achten, dass die Hinterhand aktiv mittritt und nicht einfach stehen bleibt oder sich nur mitdreht. Das wäre schädlich für die Gelenke des Pferdes. 

Die Pirouette ist ein Prüfstein für die vorangegangen Seitengänge.

Es lohnt sich, sich am Anfang viel Zeit zu nehmen. Die Fehler, die wir hier begehen, verfolgen uns durch die gesamte Ausbildung des Pferdes. Was wir hier an Monaten extra Zeit nehmen, gewinnen wir am Ende der Ausbildung an Jahren zurück. 
- Bent Branderup -


About the Author

Calm Horse Academy ist ein Herzensprojekt. Es geht hier nicht um schneller, höher oder weiter. Die Entschleunigung in der Ausbildung und das Verstehen des großen Ganzen liegt uns sehr am Herzen. Der Schwerpunkt unserer Akademie liegt nicht beim Reiten allein. Reitkunst ist viel mehr als das, es geht um Balance, Leichtigkeit, Takt und Gefühl...

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