Mai 24

Bodenarbeit: Pferde richtig führen lernen!

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Das Führen lernen ist, wie Tanzen lernen. Einer führt und der andere folgt. Das hat nichts mit Dominanz zu tun, sondern mit Fokus, Achtsamkeit, Verantwortung und Geduld.

Immerhin sagt dir dein Tanzlehrer auch nicht, du folgst jetzt, sonst gibts nen Klaps! Das wäre auch irgendwie komisch, oder? Zumal du das Tanzen ja auch erst mal lernen musst.

Der führende Part übernimmt die Kontrolle und gibt dem lernenden Part Sicherheit.

Die Nähe zueinander hat viel mit Vertrauen zu tun. Es gibt keine Verbindung, die so intensiv ist wie die zu deinem Pferd. Dein Pferd spürt alles, was du spürst. Du kannst nichts verstecken.

Es ist also gar nicht so leicht ...

Damits trotzdem klappt, gibts hier wertvolle Tipps für Dich!

Häufige Probleme beim Führen, ihre Ursachen & Lösungen! 

Ein Pferd führen – das klingt erstmal ziemlich einfach. Aber eigentlich ist es das gar nicht. Würde es wirklich so einfach sein, würde es dann so viele Pferde geben, die ihre Menschen umrempeln, vorausrennen, sich hinterherziehen lassen oder den Weg selbst bestimmen?

Probleme gibt es immer dann, wenn der Mensch sich seiner Verantwortung als Führender gar nicht bewusst ist. Gedankenlos wird das Pferd aufgehalftert und geführt. 

Ein Pferd zuführen bedeutet nicht einfach vorauszugehen und die Richtung anzugeben. Nein, es bedeutet viel viel mehr!

Für das Pferd bedeutet folgen, den eigenen Willen aufzugeben und sich dem Willen eines anderen zu fügen. Das erforder viel Vertrauen und Respekt gegenüber dem Führenden.

Der Führende trägt die Verantwortung für die Sicherheit und das Wohlergehen der Herde. Dabei ist er aufmerksam und achtet auf die Signale der anderen Pferde. Durch viel Erfahrung entscheidet er, ob eine Situation gefährlich ist oder nicht. 

Mit anderen Worten: Ein Pferd richtig führen erfordert Konzentration und Fokus.

Sobald der Mensch seine Führungsaufgabe nicht mehr oder nicht mehr richtig wahrnimmt, übernimmt das Pferd die Führung.

Das bedeutet, dass das Pferd vom Menschen am anderen Ende des Führstricks erwartet, von nun an der Folgende zu sein – und innerhalb kürzester Zeit haben wir eine für den Menschen gefährliche Situation! 

Kennst du das vielleicht auch? 

Diese Probleme deuten immer darauf hin, dass du dein Pferd noch nicht richtig Führen kannst.

Vielleicht hast du schon mal intensiv darüber nachgedacht, wie dein Pferd eigentlich tickt.

Warum es sich so oder anders verhält – und ob es dafür einen Grund hat?

Nur wenn wir lernen, unser Pferd wirklich zu verstehen, können wir an den Ursachen arbeiten, statt immer nur die Symptome mit unserem Training zu bekämpfen. 

Es ist also unheimlich wertvoll, nicht nur die Sprache deines Pferdes zu verstehen und eine gemeinsame Sprache zu sprechen.

Es ist auch super spannend, dich mit den Instinkten deines Pferdes vertraut zu machen – denn die machen uns in unserer modernen Welt meist die größten „Probleme“. 

Welche möglichen Ursachen kann es also geben, weshalb sich dein Pferd nicht (mehr) führen lassen möchte?

Das Pferd: 

  • der Respekt vor dem Mensch wurde dem Pferd nie begebracht oder ist verloren gegangen. 
  • Das Pferd übernimmt von sich aus die Führung, da der Mensch in seinen Augen nicht dafür geeignet ist.
  • Das Pferd hat schlechte Erfahrungen gemacht. 
  • Das Pferd hat nie gelernt Druck nachzugeben.

Der Mensch:

  • Es wurde nie eine Führposition mit dem Pferd vereinbart. 
  • Übernimmt keine Verantwortung.
  • Ignoriert die Signale seines Pferdes. 
  • Achtet nicht auf seine Umwelt.
  • Ist nicht Konsequent.
  • Hat keine räumliche Präsenz.

Einige Beispiele aus der Paxis: 

1

Beispiel 1 - Pferd möchte nicht von zu Hause weg.  

Ich bin seit einem Jahr im Besitz eines ganz tollen älteren Quarter Horse. Er ist einwandfrei im Charakter, hat aber ein großes Problem, er lässt sich nicht vom Stall wegführen. Er bleibt immer wieder wie angewurzelt stehen und lässt sich nicht überzeugen, dass alles in Ordnung ist, wenn wir vom Stall weggehen. Können sie mir sagen, was ich tun kann?

2

Beispiel 2  - Bockiges Pferd

Beim Führen geht mein neues Pferd Grey super mit, aber auf Waldwegen, sagt sie: Hier möchte ich nicht weitergehen. Das Problem ist, dass sie dann bockig wird und mir droht. Ich bekomme in solchen Situationen immer etwas Angst vor ihr. Können sie mir bitte sagen, was ich tun kann?

3

Beispiel 3 - Ängstliches Pferd 

Mein Pferd Jack ist beim Spazieren gehen kaum zu bremsen. Er versucht ständig, an mir vorbei zu laufen, beim kleinsten Geräusch möchte er am liebsten auf meinen Rücken springen. Egal wie viel ich mit ihm spazieren gehe oder Anti-Schreck-Training mache, er wird einfach nicht ruhiger oder mutiger. Was kann ich noch tun?

Lösungen 

Das Fundament legen!

Bevor ich mit dem Führtraining starte, ist es mir wichtig, ein festes Fundament zu schaffen, dessen Regeln klar sind.

Die wichtigeste Regel lautet, dass das Pferd nicht ungefragt meine Individualzone - meinen Tanzbereich - betreten darf. 

Es kann eine Weile dauern, bis dein Pferd verstanden hat, dass es diese Regel in Zukunft IMMER zu akzeptieren gilt – egal wo, egal wann, egal wie.

!

Immer wieder habe ich es bei der Arbeit mit Korrektur-Pferden zu tun. Oft ist der Grund dafür eine Distanzlosigkeit und Respektlosigkeit dieser Pferde gegenüber dem Menschen. Sie haben nie gelernt, die Individualzone des Menschen zu akzeptieren und zu wahren. Das kann schnell gefährlich werden.

Bestehe also darauf, dass dein Pferd deinen Tanzbereich respektiert, indem du es ruhig, aber bestimmt immer wieder von dir weg schickst – egal in welcher Situation.

Es gibt nur eine einzige Ausnahme in der das Pferd deine Individualzone betreten darf: Wenn du dein Pferd zu dir einlädst, zum Beispiel um es zu belohnen oder zu streicheln.

Die zweit wichtigste Regel des Fundaments lautet, dass dein Pferd lernt, auf Druck nachgiebig zu reagieren, und nicht mit Gegendruck antwortet.

Versteht uns das Pferd nicht oder möchte es unsere Führung nicht annehmen, kann das zu einer Gegendruck-Reaktion führen. Pferde nutzen Flucht- und Kampfreaktionen, um Probleme zu lösen. Diesen Schutz- und Verteidigungsmechanismus nennt man Oppositionsreflex.

Unsere Aufgabe ist es, den Pferden in jeder Situation zu erklären, dass sie nicht flüchten oder kämpfen müssen, beziehungsweise dieses Verhalten nicht zum Erfolg führen wird.

Die richtige Führposition in jeder Situation! 

Viele Reiter glauben, beim Pferdeführen Chef zu sein, solange das Pferd hinter ihnen geht. An der Spitze zu gehen ist allerdings kein Zeichen von Führung. 

Wenn dein Pferd aber in JEDER Position, also vor, neben oder hinter dir folgsam auf deine Signale reagiert, dann führst du wirklich und wahrhaftig. 

Vergiss also das Märchen, dass das Vorausgehen immer etwas mit Willensstärke oder Führung zu tun hat. Trainiere lieber in den unterschiedlichsten Positionen zu führen. Das bereichert nicht nur euren Trainingsalltag, sondern fördert auch Aufmerksamkeit und Harmonie.

Bei engen Durchgängen oder auf schmalen Wegen kannst du es manchmal nicht vermeiden, direkt vor deinem Pferd zu gehen. Diese Führposition ist für dein Pferd am bequemsten und für dich am gefährlichsten! In solchen Situationen nimmst du dein Führseil ganz am Ende und hältst dein Pferd auf 3 Meter Abstand. Sollte dein Pferd vor Schreck einen Hüpfer nach vorn machen, stehen deine Chancen gut, das es nicht direkt in dich hinein springt. 

Bewusst und regelmäßig das Führen üben! 

Das Führen ist die Basis für die gesamte Pferdeausbildung.

Wird es entsprechend ernst genommen und geübt, dann können viele spätere Probleme verhindert werden. Für mich als Pferdemensch bedeutet das: Alles, was ich mit meinem Pferd mache, muss ich bewusst und konzentriert machen. 

Egal, ob ich ein Jungpferd oder ein erwachsenes Pferd habe. Auch bei älteren Pferd können sich immer wieder kleine Fehler einschleichen, obwohl sie ihre Grundausbildung erfolgreich abgeschlossen haben. 

Die richtige Ausrüstung verwenden! 

Ein Führstrick unterscheidet sich dabei deutlich vom landläufig als Führstrick bezeichneten Anbindestrick.

Bodenarbeit
Pferd anbinden

Ein Führstrick für die Bodenarbeit sollte zwischen drei und vier Meter lang sein. So reißt dir das Pferd den Strick nicht gleich aus der Hand, wenn es einmal wegspringt oder steigt.

Ein Führstrick sollte einen Karabiner statt einem Panikhaken haben. Panikhaken können sich beim Führen durch Zug versehentlich lösen. Das kann unangenehme Folgen haben. 

Achte außerdem darauf, dass der Führstrick aus Baumwolle oder Leder besteht. Zieht das Pferd dir einen Kunststoffführstrick durch die Hand, hat das böse Verbrennungen zur Folge.

Weißt du schon im Voraus, dass dein Pferd sehr schreckhaft ist und dir den Führstrick durch die Finger ziehen könnte, solltest du unbedingt Handschuhe tragen, um deine Hände zu schützen.

Achtsam führen und verstecke Gefahren vermeiden! 

Viele Pferdemenschen halten den Strick in einer Schlaufe. Erschrickt das Pferd oder stolpert und zieht damit plötzlich am Strick, zieht sich die Schlaufe zu. 

Das kann sehr schmerzhaft werden und zu schweren Unfällen führen, sollte das Pferd panisch losrennen. Hat sich die Schlaufe einmal zugezogen, wird die Hand eingequetscht und es besteht keine Chance mehr vom Strick loszukommen. 

Achte also unbedingt darauf, den Strick in der linken Hand einfach nur zu falten, anstatt ihn zu einer Schlaufe zu wickeln. Zieht das Pferd am gefalteten Strick, reißt es dir den Strick schlimmstenfalls aus der Hand, die Hand kann dabei aber nicht in der Schlaufe gefangen werden.

Es ist lediglich eine Gewohnheit den Strick richtig zu halten. Deine Finger werden es dir im Ernstfall danken.

Auf der nächsten Seite haben wir für dich die besten Tipps & Tricks vom Pferdeprofi Bernd Hackl zum Thema - Verladen - zusammengefasst. Pferdefreundlich, durchdacht und mit ganz viel Spaß!


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