Beziehungspflege – Vertrauensaufbau

Horsemanship ist der Schlüssel für eine harmonische Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd. Darüber hinaus fördert es die Sicherheit im täglichen Umgang.

Ausbildungsstruktur

Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, die Ausbildung eines Pferdes gut zu strukturieren. Das sollte unser erster Schritt sein, noch bevor wir überhaupt an den gymnastischen Teil wie Stellung und Biegung denken. Die Ausbildungsstruktur muss klar und verständlich für uns und das Pferd sein. Wenn wir mit der Arbeit am Boden beginnen, ist das Hauptthema dabei zunächst der Beziehungsaufbau. 

Einander kennen lernen

Ich finde es schön die Ausbildung mit einigen Treffen zwischen Pferd und Mensch zu beginnen. Bei diesen Treffen wird noch nicht viel vom Pferd verlangt. Durch die Zeit, die wir mit dem Pferd verbringen, ohne etwas von ihm zu erwarten, entsteht eine Bindung.  Wir lernen dadurch die besonderen Fähigkeiten des Pferdes kennen und können Verhaltensmuster sowie körperliche Defizite einschätzen. Das Pferd sollte im Stand, in Bewegung, frei und unter seinem Besitzer vorgestellt werden.

Schließlich können wir einen strukturierten Ausbildungsplan entwickeln, der auf die individuellen Stärken und Schwächen des Pferdes ausgelegt ist.

Charaktersache

 Wir können Pferde viel besser zur Mitarbeit überreden wenn wir ihre Charakterzüge kennen und das Training darauf abstimmen. Es ist oft entscheidend zu wissen, ob das Pferd zum Beispiel unsicher oder einfach nur introvertiert ist. 


Ein introvertiertes Pferd wird über viel Bewegung nicht begeistert sein. Wenn wir es 50 Runden auslaufen lassen, ist Ärger vorprogrammiert. Zeigen wir ihm aber einfache Sachen in aller Ruhe und mit belohnenden Pausen, dann wird seine Motivation steigen. 

Ein extrovertierter,hoch sensibler Geist, wird sich gerne bewegen. Beginnen wir mit solch einem Pferd mit der Arbeit im Stand, wird es das Training nicht toll finden. 

Ein Pferd zu beurteilen trägt maßgeblich dazu bei die richtigen Übungen zur Motivation des Pferdes zu finden. Es lässt uns ein Gefühl dafür entwickeln, wann wir welche Übungen für das Pferd nutzen sollten. Wenn wir eine gute Beziehung haben, wird die Gymnastizierung später superleicht. 

Die Grunderziehung ist so wichtig! 

Wer sich Zeit nimmt, um Pferde in ihrer natürlichen Umgebung unter Artgenossen zu beobachten, stellt fest, dass das ranghöchste Tier oft alleine, abseits von den anderen steht und wichtige Aufgaben erledigt. Es schlichtet zum Beispiel Konflikte und muss wachsam sein um Rechtzeitig vor Gefahren zu warnen. Das ist auf Dauer erschöpfend für den Geist des Pferdes! Aus diesem Grund, übernehmen Pferde nur dann die Führung, wenn sich sonst niemand für diesen Job findet.

Unsere Jungtiere werden oft sehr früh von den Elterntieren getrennt. Anstelle einer Herdenhaltung, gibt es für viele junge Pferde Einzelhaft und keine Möglichkeit sich in eine gemischte Herde zu integrieren. Zwar sind Jungpferdeherden absolut im Trend, allerdings würden wir wohl kaum eine Schulklasse pubertierender Jugendlicher sich selbst überlassen. Auch Pferde brauchen erfahrene Artgenossen, um zu starken Persönlichkeiten heranzuwachsen.

Viele Erfahrungen, die das Jungpferd durch das Zusammensein mit seiner Herde machen sollte, gehen verloren. Seine soziale Kompetenz ist dadurch nur unzureichend entwickelt. Die meisten Pferde haben also gar keine Chance, sich durch eine Herde zu mutigen, ruhigen und verantwortungsbewussten Pferden zu entwickeln. Umso wichtiger ist es, dass wir Menschen uns den Erfahrungsschatz der Leitfigur aneignen. Lernen wir das Verhalten des Pferdes richtig zu deuten und es nicht zu vermenschlichen, können wir uns verständlich machen. Unser Verhalten wird für das Pferd nachvollziehbar und kalkulierbar. So können wir die positiven Eigenschaften wie Mut, Zuverlässigkeit und Gelassenheit fördern. Gelingt es uns allerdings nicht, diese Rolle überzeugend einzunehmen, entstehen Konflikte, welche zu Stress, Ängsten oder sogar zu Aggressionen führen können.

Pferde versuchen ununterbrochen, Situationen zu erfassen und für sich einzuordnen. Sie spüren unsere Selbstsicherheit genauso wie unseren Zwiespalt und dulden keine Zweifel. Wenn wir zweifeln, geben wir unbewusst unsere Führung ab.

About the Author

Calm Horse Academy ist ein Herzensprojekt. Es geht hier nicht um schneller, höher oder weiter. Die Entschleunigung in der Ausbildung und das Verstehen des großen Ganzen liegt uns sehr am Herzen. Der Schwerpunkt unserer Akademie liegt nicht beim Reiten allein. Reitkunst ist viel mehr als das, es geht um Balance, Leichtigkeit, Takt und Gefühl...

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